Ausgleichsfonds AHV/IV/EO schreiben 2022 tiefrote Zahlen

Donnerstag, 16. Februar 2023 - Gertrud E. Bollier
Compenswiss hat per Ende 2022 für die Ausgleichsfonds der 1. Säule eine Rendite von –12.9% verzeichnet. Das schlechtere Abschneiden im Vergleich zur 2. Säule ist auf die kurzfristigere Anlagestrategie zurückzuführen. Das Umlageergebnis der AHV wird sich dank der AHV-Reform mittelfristig stabilisieren, danach aber weiter in Schieflage geraten.

Die Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO werden durch Compenswiss in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt des Bunds gemeinsam verwaltet und bewirtschaftet. Ziel der Vermögensverwaltung sind Liquidität, Sicherheit und ein marktkonformer Ertrag.

Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten führten dazu, dass das Gesamtvermögen innert Jahresfrist von 40.9 auf 37.3 Mrd. Franken per 31. Dezember 2022 gesunken ist, was einer Rendite von –12.9 Prozent entspricht (2021 +5.3%). Das sind aber reine Buchverluste: Weil keine Vermögenswerte veräussert werden mussten, ist noch der ganze Korb vorhanden.

Fonds von AHV/IV/EO verzeichnen Renditen zwischen –11.2 und –12.4%

Vom Gesamtvermögen von 37.3 Mrd. Franken entfallen 32.8 Milliarden auf die AHV (Rendite –12.4%), 3.1 Mrd. Franken auf die IV (Rendite –11.2%) und 1.4 Mrd. Franken auf die EO (Rendite –12.2%). Das Vermögen der AHV ist hier ohne die IV-Schulden von 10.3 Mrd. Franken ausgewiesen. Gemäss heutiger Sicht wird der Schuldendienst auch in den kommenden Jahren – mangels Überschüsse seitens der IV – nicht getätigt werden.

Höhere Verluste als in der 2. Säule

Aus dem Blickwinkel der beruflichen Vorsorge ist die Minusrendite hoch. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die 1. Säule auf dem Umlageverfahren beruht: Beiträge und andere Einnahmen minus Leistungen ergeben das Umlageergebnis. Die Anlagerendite wird, wenn positiv zum Umlageergebnis hinzugezählt, wenn negativ davon abgezogen. So resultiert das Betriebsergebnis. Dieses wird vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) anfangs April bekanntgegeben werden.

Die Gelder der Ausgleichsfonds (Zielgrösse für IV und EO je eine halbe, für die AHV eine ganze Jahresausgabe) dienen der Abfederung der regelmässig auszurichtenden Geldleistungen; denn die Beiträge gehen nicht kontinuierlich ein. Das hat zur Folge, dass die Gelder der Ausgleichsfonds nicht langfristig investiert werden können. Kurzfristige Geldanlagen sind aber stärkeren Wertschwankungen unterworfen und werfen weniger Rendite ab.

Die 2. Säule hingegen beruht auf dem Kapitaldeckungsverfahren, einem kontinuierlichen individuellen Sparprozess. Die Beiträge der Versicherten und Arbeitgeber (Altersgutschriften) summieren sich über die Jahre und bilden zusammen mit den Zinsen das Altersguthaben, das zur Finanzierung der Altersleistung dient. Den grössten Teil der gemeinsam verwalteten Altersguthaben kann die Pensionskasse langfristig anlegen, was höhere Anlageerträge verspricht.

Ausblick

Durch die AHV-Reform dürfte die Finanzierung dieses Sozialwerks für knapp zehn Jahre gesichert sein, dann aber deutlich mehr Einkünfte benötigen. Für die IV wird ab 2027 mit einem besseren Umlageergebnis gerechnet. Einzig der EO-Fonds entwickelt sind gut, weil für die weiteren Ausgaben (VSE, BUE, AdopE) die erforderlichen Finanzierungsmittel bereitgestellt worden sind.

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