Kinderbetreuung: Wie New Work gegen den Fachkräftemangel helfen kann | Penso
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Kinderbetreuung: Wie New Work gegen den Fachkräftemangel helfen kann

Kitas kämpfen mit Fachkräftemangel, hoher Fluktuation und steigenden Anforderungen an moderne Arbeitswelten. Zwei Pilotprojekte der Fachhochschule Graubünden zeigen nun, dass mehr Mitbestimmung und flexible Arbeitszeitmodelle die Arbeitszufriedenheit erhöhen und die Attraktivität des Berufsfelds stärken können.

20.08.2026
Lesezeit: 2 min
iStock / Lordn

Die familienergänzende Kinderbetreuung steht in der Schweiz unter zunehmendem Druck. Während der Bedarf an Betreuungsplätzen wächst, haben viele Kitas Mühe, qualifiziertes Personal zu rekrutieren und langfristig zu halten. Besonders problematisch ist die hohe Fluktuation: Nur rund ein Drittel der Mitarbeitenden bleibt länger als fünf Jahre im selben Betrieb.

Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an die Arbeitswelt. Gerade jüngere Fachkräfte wünschen sich mehr Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten, Mitbestimmung und eine wertschätzende Unternehmenskultur. Traditionelle Arbeitsmodelle stossen deshalb zunehmend an ihre Grenzen.

Vor diesem Hintergrund hat die Fachhochschule Graubünden im Auftrag von Kibesuisse gemeinsam mit dem Verein Kitawas Kindertagesstätten zwei New-Work-Pilotprojekte entwickelt und getestet. Ziel war es, die Attraktivität des Arbeitsumfelds zu erhöhen und neue Ansätze für die Personalbindung zu erproben.

Mehr Mitbestimmung bei Lohnboni

Im ersten Pilotprojekt wurde die Entscheidung über die Verteilung von Lohnboni von der Geschäftsleitung an die Teams übertragen. Die zwölf Teams von Kitawas erhielten die Kompetenz, die ihnen zustehende Bonussumme selbst zu verteilen.

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz: Rund neun von zehn Mitarbeitenden waren mit dem Resultat zufrieden. Auffällig war, dass die Teams andere Prioritäten setzten als die Geschäftsleitung. Insbesondere Lernende und nicht ausgebildete Betreuungspersonen profitierten von höheren Bonuszahlungen. Dies deutet auf eine ausgeprägte Solidarität innerhalb der Teams und eine stärkere Wertschätzung der direkten Betreuungsarbeit hin.

Allerdings zeigte das Projekt auch Herausforderungen auf. Rund 40 Prozent der Befragten empfanden die Verantwortung für die Bonusverteilung als belastend oder unpassend. Kritisiert wurde unter anderem, dass sich die Geschäftsleitung aus dem Entscheidungsprozess zurückzog und dadurch ein wichtiges Zeichen der Anerkennung verloren ging. Die Erfahrungen verdeutlichen, dass partizipative Entscheidungsprozesse klare Rahmenbedingungen, Transparenz und eine aktive Begleitung durch Führungskräfte benötigen.

4-Tage-Woche in der Kita getestet

Im zweiten Pilotprojekt wurde an einem Standort ein freiwilliges 4-Tage-Arbeitsmodell eingeführt. Mitarbeitende konnten selbst entscheiden, ob sie ihr Pensum weiterhin auf fünf Tage verteilen oder an vier längeren Arbeitstagen leisten wollten.

Die Pilotphase zwischen Februar und Juli 2025 brachte mehrere positive Effekte hervor:

  • Mehr Kontinuität für Kinder: Durch längere Präsenzzeiten waren Betreuungspersonen häufiger den ganzen Tag für dieselben Kinder da.
  • Höhere betriebliche Stabilität: Der Bedarf an Springerpersonal sank, gleichzeitig stieg die Bereitschaft von Mitarbeitenden, an freien Tagen kurzfristig einzuspringen.
  • Bessere Vereinbarkeit: Die Teilnehmenden berichteten von mehr Flexibilität für Weiterbildungen, Familie und private Termine.

Bemerkenswert ist, dass die längeren Arbeitstage von den beteiligten Fachkräften nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen wurden.
Gleichzeitig zeigte sich, dass das Modell nicht für alle Funktionen gleich gut geeignet ist. Insbesondere bei Mitarbeitenden mit tiefen Pensen oder ohne zusätzliche administrative Aufgaben stösst die Umsetzung an Grenzen. Auch die Begleitung von Lernenden erfordert besondere organisatorische Lösungen.

New Work ist kein Allheilmittel

Die beiden Pilotprojekte machen deutlich, dass New-Work-Ansätze auch in einem stark zeit- und ortsgebundenen Arbeitsumfeld wie der Kinderbetreuung funktionieren können. Besonders Arbeitszeitflexibilität und Mitbestimmung erwiesen sich als wichtige Hebel, um die Arbeitszufriedenheit zu steigern.

Key Takeaways für HR-Verantwortliche

  • Mitbestimmung stärkt die Akzeptanz von Entscheidungen, benötigt aber klare Leitplanken.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle können die Attraktivität von Berufen mit Fachkräftemangel erhöhen.
  • Eine 4-Tage-Woche ist auch in betreuungsintensiven Tätigkeiten grundsätzlich umsetzbar.
  • New Work ersetzt keine besseren Rahmenbedingungen, kann aber die Mitarbeiterbindung wirksam unterstützen.

Die Forschenden betonen jedoch, dass solche Modelle keine Lösung für strukturelle Herausforderungen wie die Finanzierung der Kinderbetreuung oder die Lohnentwicklung sind. Sie können diese Rahmenbedingungen aber sinnvoll ergänzen und dazu beitragen, Fachkräfte länger im Beruf zu halten.

Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels könnten flexible Arbeitsmodelle und eine stärkere Einbindung der Mitarbeitenden damit zu einem wichtigen Baustein der Personalstrategie in der Kinderbetreuung werden.

Weiterführende Informationen

Der vorliegende Beitrag basiert auf einem Fachartikel der Autorinnen Kathrin Dinner und Monika Engler, Fachhochschule Graubünden. Basierend auf den Ergebnissen der Studie «New-Work-Arbeitsmodelle für Kinderbetreuungspersonal» (2025), der in der Fachzeitschrift Soziale Sicherheit CHSS erschienen ist

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