Die familienergänzende Kinderbetreuung steht in der Schweiz unter zunehmendem Druck. Während der Bedarf an Betreuungsplätzen wächst, haben viele Kitas Mühe, qualifiziertes Personal zu rekrutieren und langfristig zu halten. Besonders problematisch ist die hohe Fluktuation: Nur rund ein Drittel der Mitarbeitenden bleibt länger als fünf Jahre im selben Betrieb.
Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen an die Arbeitswelt. Gerade jüngere Fachkräfte wünschen sich mehr Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten, Mitbestimmung und eine wertschätzende Unternehmenskultur. Traditionelle Arbeitsmodelle stossen deshalb zunehmend an ihre Grenzen.
Vor diesem Hintergrund hat die Fachhochschule Graubünden im Auftrag von Kibesuisse gemeinsam mit dem Verein Kitawas Kindertagesstätten zwei New-Work-Pilotprojekte entwickelt und getestet. Ziel war es, die Attraktivität des Arbeitsumfelds zu erhöhen und neue Ansätze für die Personalbindung zu erproben.
Mehr Mitbestimmung bei Lohnboni
Im ersten Pilotprojekt wurde die Entscheidung über die Verteilung von Lohnboni von der Geschäftsleitung an die Teams übertragen. Die zwölf Teams von Kitawas erhielten die Kompetenz, die ihnen zustehende Bonussumme selbst zu verteilen.
Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz: Rund neun von zehn Mitarbeitenden waren mit dem Resultat zufrieden. Auffällig war, dass die Teams andere Prioritäten setzten als die Geschäftsleitung. Insbesondere Lernende und nicht ausgebildete Betreuungspersonen profitierten von höheren Bonuszahlungen. Dies deutet auf eine ausgeprägte Solidarität innerhalb der Teams und eine stärkere Wertschätzung der direkten Betreuungsarbeit hin.
Allerdings zeigte das Projekt auch Herausforderungen auf. Rund 40 Prozent der Befragten empfanden die Verantwortung für die Bonusverteilung als belastend oder unpassend. Kritisiert wurde unter anderem, dass sich die Geschäftsleitung aus dem Entscheidungsprozess zurückzog und dadurch ein wichtiges Zeichen der Anerkennung verloren ging. Die Erfahrungen verdeutlichen, dass partizipative Entscheidungsprozesse klare Rahmenbedingungen, Transparenz und eine aktive Begleitung durch Führungskräfte benötigen.
4-Tage-Woche in der Kita getestet
Im zweiten Pilotprojekt wurde an einem Standort ein freiwilliges 4-Tage-Arbeitsmodell eingeführt. Mitarbeitende konnten selbst entscheiden, ob sie ihr Pensum weiterhin auf fünf Tage verteilen oder an vier längeren Arbeitstagen leisten wollten.
Die Pilotphase zwischen Februar und Juli 2025 brachte mehrere positive Effekte hervor:
- Mehr Kontinuität für Kinder: Durch längere Präsenzzeiten waren Betreuungspersonen häufiger den ganzen Tag für dieselben Kinder da.
- Höhere betriebliche Stabilität: Der Bedarf an Springerpersonal sank, gleichzeitig stieg die Bereitschaft von Mitarbeitenden, an freien Tagen kurzfristig einzuspringen.
- Bessere Vereinbarkeit: Die Teilnehmenden berichteten von mehr Flexibilität für Weiterbildungen, Familie und private Termine.
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