Gleichstellungsstudie sorgt für Gesprächsstoff

Dienstag, 09. Mai 2023
Eine Studie zu den verhaltenen Karriereambitionen angehender Akademikerinnen stellt die Wirksamkeit von Frauenquoten in Frage und dürfte die Gleichstellungsdebatte verändern.

In Zürich sind mittlerweile fast 60% der Studierenden Frauen, der Anteil weiblicher Professoren liegt jedoch nur bei 24%. Im Auftrag der Universität Zürich haben die Wirtschaftsprofessorin Margrit Osterloh und die Soziologieprofessorin Katja Rost untersucht, warum es in den Führungspositionen an Hochschulen so wenige Frauen gibt. 

Für ihre noch unveröffentlichte Studie, die am Wochenende von der «SonntagsZeitung» publik gemacht wurde, befragte das Team um Osterloh und Rost – die ehemalige und die aktuelle Präsidentin der Uni-Gleichstellungskommission – fast 10000 Studierende der Uni und ETH Zürich über ihre Karriereambitionen, ihr Familienbild, die Partnerwahl und Diskriminierung.

Begrenzter Erfolg von Gleichstellungsmassnahmen

Das Resultat überraschte die Professorinnen und die verblüffenden Ergebnisse lösten ein grosses Medienecho aus: Der Grund, weshalb Frauen kaum in Führungspositionen anzutreffen sind, liege nicht etwa an einer Benachteiligung, sondern schlicht an der Tatsache, dass Frauen viel weniger ausgeprägt eine Karriere anstrebten als Männer.

Die meisten Studentinnen wünschen sich demnach einen Partner, der älter und erfolgreicher ist als sie. Sind Kinder da, soll er für das Haupteinkommen sorgen, sie will Teilzeit arbeiten, eine Diskriminierung lasse sich nicht feststellen. Laut der Studie erkläre diese Erkenntnis den begrenzten Erfolg der derzeitigen Gleichstellungsmassnahmen.

Kontraproduktive Frauenquoten 

Der Ruf nach Frauenquoten oder verbilligter Kinderbetreuung beruhe auf der Annahme, dass die Unterrepräsentation von Frauen in höheren Positionen verschwinden würde. Doch diese Annahme sei laut der Autorinnen nicht fundiert im Gegenteil: «Quoten und andere Vorzugsbehandlung von Frauen führen nicht zu mehr Lebenszufriedenheit, dafür zu einer Diskriminierung von ambitionierten Männern.»

Die Autorinnen empfehlen bei der Aufklärung anzusetzen: «Junge Frauen sollten wissen, was es für sie bedeuten kann, wenn sie sich finanziell abhängig vom Partner machen.» Bei einer Trennung und bei der Altersvorsorge könnten die finanziellen Konsequenzen schmerzhaft sein.

 

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