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Menschen mit Behinderungen sind mit der Lebensqualität am Arbeitsplatz weniger zufrieden

Montag, 29. November 2021
Menschen mit Behinderungen nehmen weitgehend am Arbeitsmarkt teil (2019: 72%). Ihre Lebensqualität ist jedoch weniger gut: Sie geben seltener an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein als Personen ohne Behinderungen (67% gegenüber 81%) und erfahren in erhöhtem Mass Gewalt und Diskriminierung (26% gegenüber 18%). Diese Ergebnisse beruhen auf den Indikatoren zur Gleichstellung, die das Bundesamt für Statistik (BFS) zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember publiziert.

Die Indikatoren zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Bezug auf die Erwerbstätigkeit wurden anhand der Daten der Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) 2019 aktualisiert. Berücksichtigt wurden zudem die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung  (SGB) 2017 zu Benachteiligungen und Gewalt am Arbeitsplatz. 

Arbeitsmarktteilnahme variiert je nach Behinderung und Geschlecht

Menschen mit Behinderungen im erwerbsfähigen Alter nehmen weitgehend am Erwerbsleben teil, selbst wenn sie bei Aktivitäten des täglichen Lebens stark eingeschränkt sind. 72% der Menschen mit Behinderungen beteiligen sich am Arbeitsmarkt (Menschen ohne Behinderungen: 87%). Bei stark eingeschränkten Personen sind es 47%. Auch nach Geschlecht betrachtet ist die Arbeitsmarktteilnahme von Menschen mit Behinderungen geringer: 68% der Frauen und 78% der Männer mit einer Behinderung nehmen am Erwerbsleben teil, bei Frauen und Männern ohne Behinderungen sind es 83% bzw. 91%.

Geringere Zufriedenheit am Arbeitsplatz

Die Lebensqualität am Arbeitsplatz von Personen mit Behinderungen ist insgesamt weniger gut als jene der Bevölkerung ohne Behinderungen. Der Anteil der Erwerbstätigen, die sowohl mit ihrem Erwerbseinkommen als auch mit den Arbeitsbedingungen und dem Arbeitsklima zufrieden sind, ist bei Personen mit Behinderungen tiefer als bei jenen ohne Behinderungen (67% gegenüber 81%). Bei stark eingeschränkten Personen sind es 57%. Frauen mit Behinderungen sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufriedener als Männer mit Behinderungen (70% gegenüber 64%). Bei der Bevölkerung ohne Behinderungen ist kein signifikanter Unterschied nach Geschlecht festzustellen.

Menschen mit Behinderungen sind insbesondere in Bezug auf das Erwerbseinkommen (Mittelwert 6.7 gegenüber 7.4 auf einer Skala von 0 bis 10) und die Arbeitsbedingungen (7.7 gegenüber 8) weniger zufrieden. Zudem geben sie vermehrt an, nach der Arbeit erschöpft zu sein (4.5 gegenüber 5.4). Folglich haben sie weniger Energie, um ihren Freizeitbeschäftigungen nachzugehen und ihre Pflichten im Privatleben wahrzunehmen.

Jede vierte Person mit einer Behinderung erfährt Gewalt oder Diskriminierung

Menschen mit Behinderungen sind am Arbeitsplatz häufiger Gewalt oder Diskriminierung ausgesetzt. 2017 gaben 4% an, bei der Arbeit aufgrund ihrer Behinderung diskriminiert worden zu sein. Bei stark eingeschränkten Personen beläuft sich dieser Anteil auf 12%. 26% aller Beschäftigten mit Behinderungen berichteten, in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens eine der neun abgefragten Formen von Benachteiligung oder Gewalt (Benachteiligung aufgrund von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Behinderung, verbale oder körperliche Gewalt, Drohungen, Einschüchterung, Mobbing oder sexuelle Belästigung) erfahren zu haben. Bei den Personen ohne Behinderung belief sich dieser Anteil auf 18%.

Weitere aktualisierte Indikatoren

Die Indikatoren zur «Prävalenz von Behinderungen in der Bevölkerung» wurden ebenfalls anhand der Daten aus der SILC 2019 aktualisiert. Zudem wurde auf Basis der SGB 2017 sowohl der Indikator «Soziale Kontakte» aktualisiert, der mit der Häufigkeit von Einsamkeitsgefühlen sowie dem Ausmass der sozialen Unterstützung dargestellt wird, als auch der Indikator «Inanspruchnahme von Spitex-Leistungen und informeller Hilfe», der die Häufigkeit und die Art der Hilfeleistungen aufzeigt, die den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Privathaushalten mehr Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen.

Medienmitteilung des Bundesamts für Statistik (BFS)

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