Freundliche Präsenz Â
Abschliessend räumte Hunziker mit der gedankenlosen Verwendung des Begriffs Achtsamkeit auf, der in einer Bildsprache häufig kitschigen Klischees unterworfen sei. Er definierte den Begriff als «einen Geisteszustand der freundlichen Präsenz» und fĂĽhrte weiter aus: «Achtsamkeit wirkt, sie schafft psychologische Sicherheit und Lernkultur.» So gehe es beispielsweise nicht um die Frage, wer schuld sei, sondern darum, was man lernen könne. Freundliche Präsenz auch in Stresssituationen sei etwas, was ebenfalls erlernbar sei. Achtsamkeitstraining sei gut erforscht und eine Wirkung nachgewiesen. Es wirke sich positiv auf Psyche und Geist aus. Auch das aktive Zuhören sei mit diesem Konzept verbunden. «Einer der wichtigsten Bausteine einer guten Managementausbildung ist die Fähigkeit, zuhören zu können», schloss Hunziker sein Referat.Â
Resilienz-PraxisfälleÂ
Die BGM-Tagung bot auch in diesem Jahr viele Gelegenheiten, in Workshops und Plenen Praxisfälle kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Während Forschungen und Studien die Wirksamkeit bestimmter, auf positiver Psychologie und Vertrauen basierender Management-Methoden bereits seit vielen Jahren nachgewiesen haben, scheinen Wirksamkeitsnachweise von BGM-Massnahmen fĂĽr manche Unternehmen noch eine Herausforderung dazustellen. So auch bei der Groupe Mutuel.Â
Die Macht des BewusstseinsÂ
Das Thema «Die Herausforderung durch Transformation: Resilienz als kontinuierliche Reise» versprach einen Einblick in eine Resilienz-Kultur. Die Referentinnen waren hier Laura Convertini, verantwortlich bei Groupe Mutuel fĂĽr die digitale HR-Transformation und Sophrologin (Sophrologie bezeichnet verschiedene Methoden der Bewusstseinsschulung), und HĂ©lène Parisot, die neben ihrer Tätigkeit als Strategic HR Project Manager fĂĽr Groupe Mutuel bei den Olympischen Spielen fĂĽr Frankreich als Sprinterin angetreten ist. Von dieser Herausforderung berichtete Parisot eindrucksvoll, um darzulegen, wie Resilienz auf der individuellen und kollektiven Ebene – hier am Beispiel Staffellauf – zu besonderen Leistungen fĂĽhren kann. Sie betonte dabei immer wieder die Rolle des mentalen Trainings, das sie absolviert hat, die wichtige Kommunikation mit ihrem Coach und das auf individuellen Stärken basierende Zusammenspiel im Team.Â
Insgesamt hatte der Vortrag den Charakter einer Ăśberzeugungsvorhabens: Resilienz sei auf allen Ebenen - individuell, kollektiv und institutionell – organisierbar und trainierbar, was mit den bekannten Argumenten ĂĽber Fehler- und Feedbackkultur, der Etablierung eines Changemanagements, Schulungen ĂĽber psychische Gesundheit und die Schaffung gemeinsamer Werte im Team konkretisiert wurde. Leider konnten die Referentinnen Massnahmen in ihrem Unternehmen nur wenig spezifizieren und diese auch nicht mit Wirkungsanalysen fundieren; die AusfĂĽhrungen blieben so auf einer allgemeinen Ebene. Dies kann fĂĽr einige Unternehmen akzeptabel sein, dennoch bleibt mit einer solchen Herangehensweise der Beitrag der BGM-Verantwortlichen fĂĽr den Unternehmenserfolg eher abstrakt und hinterlässt bestenfalls den Eindruck eines «Feelgood-Managements».Â
Die Dimensionen der Resilienz