Abonnieren Sie jetzt Penso und bleiben Sie auf dem Laufenden.
Mit 6 Printausgaben pro Jahr und dem vollen Zugriff auf alle Artikel auf penso.ch sind Sie stets gut informiert.
Familien mit behinderten Kindern haben in der Schweiz mit erheblichen finanziellen Einbussen und Lücken im Unterstützungssystem zu kämpfen. Gemäss einer neuen Studie fehlen im Schnitt 15100 Franken pro Jahr, um alle Mehrkosten zu decken.
Die Studie analysiert die finanzielle Situation und den Unterstützungsbedarf von Familien mit behinderten Kindern in der Schweiz, wie aus den Unterlagen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) hervorgeht. Der Bericht soll als Entscheidungsgrundlage für die Optimierung des Unterstützungssystems für Menschen mit Behinderung dienen.
Die Untersuchung zeigt, dass die finanziellen Leistungen die behinderungsbedingten Mehrkosten und Einkommensverluste im Durchschnitt nicht vollständig decken. Über alle Familien hinweg verblieb eine Lücke von rund 15100 Franken pro Jahr.
Diese Summe setzt sich aus zwei Hauptfaktoren zusammen. Einerseits trugen 87% der Familien selbstbezahlte Mehrkosten mit einem Median von rund 6700 Franken jährlich. Andererseits ergaben sich durchschnittliche Erwerbseinbussen von rund 23400 Franken pro Jahr, weil Eltern ihre Arbeitspensen reduzierten. Ein Viertel gab an, finanziell nur schwierig über die Runden zu kommen.
Die finanziellen Leistungen, primär von der Invalidenversicherung (IV), deckten die direkten, selbstbezahlten Ausgaben für Güter und Dienstleistungen zwar meistens. Die behinderungsbedingten Einkommensverluste wurden hingegen nur begrenzt kompensiert. Dadurch entstanden laut der Studie in allen untersuchten Gruppen finanzielle Einbussen.
Die wirtschaftlichen Folgen verfestigten sich langfristig. Das Erwerbseinkommen von Müttern mit behinderten Kindern erholte sich nach der Geburt deutlich schwächer als bei anderen Müttern. Es blieb auch zehn Jahre danach unter 50% des Niveaus vor der Geburt. Bei Vätern habe sich das Einkommenswachstum verlangsamt.
Die Studie identifizierte zudem erhebliche Lücken im Unterstützungssystem. Die kantonalen Leistungen sind laut dem Bericht sehr heterogen ausgestaltet. Experten sahen den grössten ungedeckten Bedarf im Vorschulbereich, da IV-Leistungen in dieser Phase oft noch nicht griffen und passende Betreuungsangebote
fehlten.
Weitere Lücken bestanden bei Entlastungsangeboten, der familienergänzenden Betreuung in Randzeiten und Ferien sowie bei Transporten. Zudem wurden Koordinationsprobleme zwischen IV, Krankenkassen, Schulen und Kantonen bemängelt.
Finanzielle Last für Familien mit behinderten Kindern ist gross