Ein Thema ist praktisch unvermeidbar und wird auch 2026 zweifellos zentral bleiben: Künstliche Intelligenz (KI). KI hat die Arbeitswelt überschwemmt und damit auch den Bereich Human Resources. Bei Human Resources Swiss Exams (HRSE) haben wir, angesichts des zunehmenden Einsatzes von KI in Unternehmen, beispielsweise seit der Prüfung 2025 den Einsatz von KI in einen Prüfungsteil für das eidgenössische Diplom für Leiterin/Leiter Human Resources[1] integriert und die Gewichtung entsprechend angepasst.
Der Einzug von KI ins Personalmanagement verspricht unter anderem eine schnellere Prüfung von Bewerbungen, die Vorhersage von Abgängen und die Personalisierung von Schulungen. Ihre Implementierung ist jedoch mit oft unterschätzten Herausforderungen verbunden.
Die erste Herausforderung: Voreingenommenheit und Diskriminierung. Mehrere aktuelle Studien im Personalmanagement zeigen, dass Algorithmen Ungleichheiten aus historischen Daten reproduzieren, insbesondere bei der Einstellung und Beförderung.[2] Selbst wenn sensible Variablen (Geschlecht, Alter, Herkunft) entfernt werden, lernt das Modell, diese anhand indirekter Indikatoren (Bildungshintergrund, Wohnort, berufliche Auszeiten) zu «erraten».
Die zweite Herausforderung ist die Intransparenz der Systeme. Es fällt den Mitarbeitenden schwer zu verstehen, warum sie von einem Tool als «hohes Potenzial» oder «gefährdet» eingestuft wurden.[3] Diese mangelnde Erklärbarkeit erschwert schwierige Entscheidungen, untergräbt das Gerechtigkeitsempfinden im Unternehmen und verstärkt das Misstrauen gegenüber der Personalabteilung.
Drittens das Thema Datenschutz: Immer mehr KI-Systeme im Personalwesen greifen auf grosse Mengen an Verhaltensdaten zurück: E-Mails, Verbindungszeiten, Standortdaten und Interaktionen in Kollaborationstools. Jüngste Studien weisen auf das Risiko ständiger Überwachung sowie auf Sicherheits- und Governance-Schwachstellen im Umgang mit diesen sensiblen Daten hin.[4]
Neben den bereits erwähnten Herausforderungen und Problemen betonen Forscher auch die subjektiven Auswirkungen von KI auf Mitarbeitende: Wer von Algorithmen gesteuert oder bewertet wird, fühlt sich leichter entmenschlicht, auf Daten reduziert, isoliert und demotiviert, insbesondere wenn das System als unflexibel oder unmenschlich wahrgenommen wird.[5] KI kann die Nuancen komplexer Lebenssituationen, Teamkonflikte oder sich abzeichnendes Potenzial (noch?) nicht erfassen.
Um den Einsatz von KI-Werkzeugen zu unterstützen, sollten folgende Voraussetzungen für den Erfolg in Organisationen integriert werden: die systematische Kombination von menschlichem Urteilsvermögen und algorithmischen Empfehlungen, die Stärkung der Erklärbarkeit (XKI) der Werkzeuge, die Durchführung regelmässiger Bias-Audits und der Einbezug sozialer Partner in die Gestaltung der Systeme.[6]
KI im Personalwesen ist nicht nur ein technologisches Projekt: Es ist ein ethisches, organisatorisches und soziales Unterfangen, das eine solide Steuerung schon lange vor dem grossflächigen Einsatz erfordert. Und Sie? Welche Praktiken wenden Sie in Ihren Organisationen im Hinblick auf den Einsatz von KI-Tools an?
[1] hrse.ch
[2] link.springer.com
[3] arxiv.org
[4] sajhrm.co.za
[5] emerald.com
[6] papers.ssrn.com