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Konferenz für Sozialhilfe rechnet mit mehr Hilfsbedürftigen

Donnerstag, 07. Januar 2021
In den nächsten zwei Jahren könnte die Zahl der von Sozialhilfe abhängigen Menschen um 21% steigen gegenüber 2019. Ein Grund dafür ist die Corona-Pandemie. Die Kosten der Sozialhilfe könnten um 821 Mio. Franken steigen.

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) hat ihre überarbeiteten Prognosen für die nächsten zwei Jahre vorgestellt. Die Langzeitfolgen der Krise seien schwer abzuschätzen. Aber es sei davon auszugehen, dass ein Teil der Menschen im Land mittel- und langfristig Unterstützung bräuchten.

Sozialhilfequoten zwischen 3.5 und 4 Prozent erwartet

In ihrem Referenzszenario rechnet die Skos bis 2022 mit rund 57800 zusätzlichen Menschen in der Sozialhilfe, rund 21% mehr als 2019. Die Sozialhilfequote würde von derzeit 3.2 auf 3.8% steigen. Im Mai hatte die Skos mit einem Anstieg von 28.2% gerechnet. 2019 bezogen rund 271400 Menschen Sozialhilfe. Diese Zahlen stammen aus dem mittleren Szenario der Skos. Das optimistische geht von 12% mehr Unterstützten und einer Sozialhilfequote von 3.5% aus. Das pessimistische dagegen rechnet mit einer Sozialhilfequote von 4% und Zusatzkosten von rund 1 Mrd. Franken.

Tourismus-Destinationen stark betroffen

Insgesamt sind die Fallzahlen laut Skos wegen Covid-19 zwar bisher nicht gestiegen. Doch einzelne Regionen weichen ab: In der Stadt Luzern war die Zahl der Fälle im November 8% höher als im Mittel von 2019. Dort arbeiteten viele Menschen im Tourismus, der auf derzeit

fehlende ausländische Gäste ausgerichtet ist. In Genf, wo internationale Gäste wegen der Pandemie ebenfalls ausblieben, war die Fallzahl im November gar um 8.5% höher. In Genf werden allerdings auch Personen mitgezählt, die als Selbständige einen erweiterten Zugang zur Sozialhilfe haben.

Gezielte Hilfe für Selbstständige

Als besonders gefährdet, von Sozialhilfe abhängig zu werden, erachtet die Skos Langzeitarbeitslose. Sie erwartet, dass sich ab 2021 zunehmend Ausgesteuerte beim Sozialamt melden. Eine «kritische Phase» ist laut der Skos die Zeit zwischen der Aussteuerung und dem Gang aufs Sozialamt. In dieser Zeit brauchten viele Betroffene ihre finanziellen und persönlichen Ressourcen auf. Sie büssten damit so viel an Selbstwertgefühl ein, dass ihre Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt enorm schwierig werde. Die Konferenz fordert daher neue Ansätze. Sie nennt ausbaubare Instrumente der Arbeitslosenversicherung und die in der Verfassung verankerte Möglichkeit einer Arbeitslosenfürsorge.

Doch auch Selbständige mit tiefen Einkommen könnten künftig Geld von der Sozialhilfe benötigen. Wegen der Pandemie dürften sich mehr von ihnen bei den Sozialämtern melden – Selbständige wurden bisher kaum unterstützt. Die zuständigen Stellen müssten sich neu auf die Bedürfnisse dieser Menschen ausrichten und prüfen, wie ihnen geholfen werden kann, etwa bei Umschulungen.

Massnahmen für Wirtschaft weiterführen

In den Augen der Skos ist es «dringend nötig», dass der Bundesrat die Massnahmen für die Unterstützung der Wirtschaft bis zum Ende der Pandemie weiterführt. «Ein zu frühes Ende würde zwangsläufig zu einer Überlastung der Sozialhilfe als letztes Netz der sozialen Sicherheit führen», schreibt sie. Von der Arbeitslosen- und der Invalidenversicherung fordert die Skos Unterstützung, damit nicht zusätzlich Fälle in die Sozialhilfe verlagert werden. Auch der Bund muss in den Augen der Skos helfen bei der beruflichen und sozialen Integration. (sda / gg)

Analysepapier der Skos

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