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Santésuisse prognostiziert einen Prämienanstieg von 10%

Mittwoch, 07. September 2022
Der Krankenversicherer-Verband Santésuisse erachtet für 2023 einen Anstieg der Krankenkassenprämien um 10% für nötig. Die Kosten pro versicherte Personen seien 2021 um über 6% gestiegen. Für 2022 und 2023 werde ein weiterer Anstieg erwartet.

Ein durchschnittlicher Anstieg der Krankenkassenprämien um 10% im kommenden Jahr wäre zur Kostendeckung nötig, erklärte Santésuisse-Direktorin Verena Nold, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. In einzelnen Regionen dürften die Prämienzahlenden noch stärker zur Kasse gebeten werden. Der Verband wisse aber nicht, welchen Anstieg die Mitgliedskassen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Genehmigung vorgelegt hätten.

Im laufenden Jahr waren die Krankenkassenprämien in der Schweiz im Durchschnitt um 0.2% gesunken, nach Erhöhungen um 0.5% im Jahr 2021 respektive 0.2% im Jahr 2020.

Kosten steigen weiter an

Santésuisse warnte vor den steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Neuste Auswertungen der Kosten für das Jahr 2021 hätten ergeben, dass die Kosten pro versicherte Person um 6.4% gestiegen seien. In den kommenden zwei Jahren rechne Santésuisse mit einem weiteren Anstieg der Kosten um jeweils rund 4%. Vor allem bei den Kosten für ambulante Behandlungen (Abgeltung via Tarmed) und Medikamente ortet Santésuisse das Problem. Bei den Tarmed-Spitaltarifen stiegen gemäss ihren Berechnungen die Kosten 2021 um rund 10%, bei den Arzttarifen um rund 7% und bei den Medikamenten um fast 6%, wie Santésuisse-Ökonom Christoph Kilchenmann ausführte.

Zum starken Kostenwachstum hätten auch Nachholeffekte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beigetragen. Der ambulante Sektor sei inzwischen für rund ein Drittel der Kosten im Gesundheitswesen verantwortlich.

Schnell umsetzbare Lösungen möglich

"Wir sehen keine Trendwende bei den Gesundheitskosten, aber wir können nicht weitermachen wie in der Vergangenheit", sagte Santésuisse-Direktorin Nold. Schnell umsetzbare Lösungen gebe es. Die Schweiz sei ein Hochpreisland für Medikamente, bald 8 Mrd. Franken würden dafür aufgewendet. Generikapreise müssten darum jetzt gesenkt und die Vergütung von hochpreisigen Arzneien müsse an deren Wirkung geknüpft werden. Bei den ambulanten Leistungen müsse der Tarmed durch ambulante Pauschalen mit neuen Einzelleistungstarifen ersetzt werden.

"Matchentscheidend" ist für Nold auch eine Beschränkung der Zahl der freipraktizierenden Ärzte. Bei der Ärztezahl stehe die Schweiz im internationalen Vergleich auf einem der vordersten Ränge. Pro Arztpraxis entstünden rund 500000 Franken an Kosten. Und schliesslich müssen laut Nold wirkungslose Therapien konsequent aus dem Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gestrichen werden.

Reserven um ein Drittel gesunken

Laut Nold sind die Krankenversicherer bereit, ihren Beitrag zur Kostensenkung zu leisten. Mit der Kontrolle von über 100 Millionen Rechnungen sorgten sie für Einsparungen von jährlich mindestens 3.5 Mrd. Franken zugunsten der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler.

Die Reserven der Krankenversicherer sind laut Nold im laufenden Jahr um 4 Mrd. Franken auf 8 Milliarden gesunken. Sie nannte dafür drei Gründe: Im Jahr 2021 hätten die Versicherer Reserven aufgelöst zur Prämiendämpfung. Im laufenden Jahr seien zudem die Kosten stärker gestiegen als die Prämien und die Finanzmärkte seien schwach.

Mitteilung von Santésuisse

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