Die Perspektiven der AHV und der IV wurden unter anderem mit den neuen Demografieszenarien des Bundesamts für Statistik (BFS), den neuen Konjunkturprognosen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sowie den Jahresabschlüssen der beiden Sozialversicherungen 2024 aktualisiert.
AHV: Defizite trotz besserer Aussichten
Die aktuellen Demografieszenarien von 2025 gehen von einer höheren Zahl an Erwerbstätigen aus als die im Jahr 2020 veröffentlichten Szenarien. Gleichzeitig wird neu von einer geringeren Zunahme der Bevölkerung über 65 Jahren sowie einer langsamer ansteigenden Lebenserwartung ausgegangen. Dies führt bei der AHV zu höheren Lohnbeiträgen und damit zu steigenden erwarteten Einnahmen, bei weniger stark wachsenden Ausgaben. Derweil wurden in den neuen Konjunkturprognosen die kurzfristigen Wachstumsprognosen für die Schweizer Wirtschaft sowie die Lohnentwicklung nach unten korrigiert. Dies führt kurzfristig zu einem schwächeren Wachstum der Einnahmen der AHV sowie zu einer schwächeren Entwicklung des Mischindexes (Durchschnitt von Lohn- und Preisindex) und damit auch der Minimalrente.
Diese demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen führen insgesamt dazu, dass die voraussichtlichen Umlagedefizite in der AHV geringer ausfallen, als vor einem Jahr projiziert: die Differenz beträgt rund 600 Mio. Franken im Jahr 2030 und 1.7 Mrd. Franken im Jahr 2035.
Die neuen Projektionen des BSV stützen sich auf die volkswirtschaftlichen Eckwerte vom Juni 2025. Unter anderem sind mögliche Auswirkungen der neuesten US-Zölle auf die Schweizer Wirtschaft nicht enthalten. Die neuen Finanzperspektiven für AHV und IV sind im Kontext eines äusserst volatilen wirtschaftlichen Umfelds zu betrachten. Das BSV behält sich vor, die Finanzperspektiven für AHV und IV zu aktualisieren, etwa wenn neue Konjunkturprognosen diesen Schritt nahelegen.
IV: Finanzielle Lage verschlechtert sich
Das Referenzszenario für die IV weist über den gesamten Zeitraum bis 2040 hinweg durchgehend Umlagedefizite von rund 300 Mio. Franken aus (siehe Grafik). Das heisst: Rund 3% der jährlichen Ausgaben können nicht mit den Einnahmen gedeckt werden. Die finanzielle Lage der IV verschlechtert sich damit zunehmend. Die flüssigen Mittel und Anlagen der IV lagen 2024 rund 13 Prozentpunkte unter der gesetzlich vorgesehenen Mindestgrenze von 50% einer Jahresausgabe und nehmen weiter kontinuierlich ab. Im Referenzszenario wäre das Vermögen der IV in rund 15 Jahren vollständig aufgebraucht, ohne Berücksichtigung der Schulden von 10.3 Mrd. Franken bei der AHV.
AHV-Umlagedefizit von 4.2 Milliarden im Jahr 2035