Sie haben auf Ihrer Pflegeabteilung jüngst erfolgreich ein Konzept der Konfliktprävention lanciert. Was hat Sie dazu motiviert?
Nils Jochheim: Ich führe ein multikulturelles Team mit 20 Mitarbeitenden aus acht Nationen mit komplett verschiedenen Lebenshintergründen. Von Quereinsteigern über Leute mit einem halbjährigen Rot-Kreuz-Pflegekurs bis hin zu Fachleuten mit einer fünfjährigen Pflegefachausbildung. Neben unserer Arbeit in der Pflege der Demenzpatienten birgt dieses Team-Setting mit diversen Sprachen und Wertvorstellungen einige Konfliktfelder.
Können Sie ein Beispiel geben?
Etwa wenn ein Mitarbeiter mit muslimischem Hintergrund eine weibliche Vorgesetzte hat und es ihm schwerfällt, von einer Frau Anweisungen entgegenzunehmen. In einem anderen Fall sind zwei Fachkräfte aneinandergeraten,
weil eine wegen einer Weiterbildung stark unter zeitlichem Druck stand, ihre eingeschränkte Flexibilität in der Arbeitsplanung aber nicht kommunizierte. Die fehlende Kommunikation führte bei der nicht informierten Kollegin zu einer harschen Reaktion, die sich wie eine Art «Liebesentzug» anfühlte. Solche Konflikte können das Klima vergiften und sehr zeitraubend sein.
Wie sieht Ihr Konzept der Konfliktprävention aus?
Im Kontext meines Stellenantritts als Abteilungsleiter habe ich berufsbegleitend an der ZHAW den CAS «Teamleiter/-in im Gesundheitswesen» absolviert. Dort bin ich auf das Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg gestossen. Im Mittelpunkt steht ein einfaches A4-Dokument mit sogenannten «Kommunikationsregeln», das in unserem Pausenraum hängt und festhält, wie wir im Team mit Konflikten umgehen. Zur Erarbeitung dieser Grundsätze habe ich eine Projektgruppe zusammengestellt. Wir haben entlang von Leitfragen die Problemfelder definiert: Wo hapert es in unserer Kommunikation? Wie entstehen Missverständnisse und Konflikte? Welche Wertvorstellungen leiten uns, und welche Kommunikationskultur wollen wir pflegen?
Best Practice: Wenn ein A4-Dokument die Konflikte halbiert