Sie sind als Projektleiter auf vielen Grossbaustellen unterwegs. Mit welchen Herausforderungen sind Sie konfrontiert?
Stéphane Gex: Baustellen sind stark von Hierarchien geprägt. Man hockt nicht ständig zusammen und hat keine Zeit für lange Erörterungen von Konfliktthemen. Vielmehr sind eine klare Organisation und eine geplante Logistik entscheidend. Das bedingt eine klare Kommunikation, sonst entstehen automatisch Unklarheiten. Es ist wie in einer Küche: Zu viele Köche verderben den Brei. Klare Rollen und Zuständigkeiten sind sehr hilfreich. Und es lohnt sich, gut zuzuhören. Wenn das nicht gegeben ist, kann es schnell aus dem Ruder laufen. Ich habe schon Projekte erlebt, wo sich die Beteiligten nicht mehr im gleichen Raum aufhalten wollten.
Sie haben den CAS Wirtschaftsmediation & Konfliktmanagement an der Kaleidos Fachhochschule absolviert. Was hat Sie zu dieser Ausbildung motiviert?
Ich habe über 30-jährige Berufserfahrung im Bauprozess – früher als Architekt, später in diversen Generalunternehmungen und heute als Bauherrenvertreter. Ich ging sehr anwendungsorientiert in diese Weiterbildung und nicht, weil ich Konfliktmanager werden will. Der CAS hat insofern vor allem meine Erfahrung aus der Praxis bestätigt, aber auch neue Blickwinkel eröffnet. Ich kann die Bedürfnisse der Beteiligten heute noch besser abholen. Dabei bemühe ich mich ausdrücklich, nicht als Konfliktmanager aufzutreten und offensiv zu fragen, wo der Schuh drückt. Das wirkt schnell künstlich, und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sich alle zurückziehen. Das ist mir während der CAS-Ausbildung aufgefallen, als ich im privaten Umfeld versucht habe, gewisse Methoden anzuwenden. Das ist wenig authentisch rübergekommen. (lacht)
Best Practice: Wenn klare Kommunikation Konflikte ausräumt