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Die Beschäftigten in der Schweiz sorgen sich hinsichtlich Automatisierung, Künstlicher Intelligenz (KI), technologischer Abhängigkeit und steigender Arbeitsplatzunsicherheit. Gleichzeitig fühlt sich die grosse Mehrheit kompetent genug, um den neuen Anforderungen zu begegnen und die eigene berufliche Zukunft aktiv zu gestalten.
Mit der rasanten Entwicklung digitaler Technologien und KI verändert sich die Arbeitswelt zunehmend. Wie gut fühlen sich die Beschäftigten in der Schweiz für diese Veränderungen gerüstet? Wie prägen digitale Technologien ihren Arbeitsalltag? Und welche Chancen und Risiken sehen sie für ihre berufliche Zukunft? Der Schweizer HR-Barometer 2026 untersucht diese Fragen aus Sicht der Beschäftigten. Grundlage der Studie bildet eine repräsentative Befragung von 1597 Beschäftigten aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz, die zwischen März und Juni 2026 durchgeführt wurde.
Die Beschäftigten in der Schweiz fühlen sich gut gerüstet, um mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten. Sieben von zehn Befragten verfügen gemäss eigener Einschätzung über ausgeprägte übertragbare Kompetenzen. Das sind Kompetenzen, die sie in unterschiedlichen beruflichen Situationen einsetzen können, wie zum Beispiel Projektmanagement, analytisches Denken oder digitale Kompetenzen. 62% entwickeln ihre Fähigkeiten sogar aktiv weiter, sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Erwerbsarbeit. Die Mehrheit vertraut darauf, auch zukünftige Herausforderungen bewältigen zu können.
Die Ergebnisse zeigen: Menschen erwerben relevante Kompetenzen nicht nur innerhalb von Unternehmen, sondern auch ausserhalb formaler Bildungs- und Arbeitskontexte. «Die Unterstützung durch Arbeitgebende bei der Kompetenzentwicklung bleibt hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück», sagt Mitherausgeberin Anja Feierabend von der Hochschule Luzern. Die Unternehmen sind gefordert, mit passenden Angeboten zur Kompetenzentwicklung (z.B. Lernplattformen, individuellen Entwicklungsplänen) nachzuziehen.
Rund ein Drittel der Beschäftigten erlebt digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz und Automatisierung überwiegend als entlastend, insbesondere weil diese die Produktivität steigern und neue Ideen sowie innovative Arbeitsweisen fördern.
Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Fast die Hälfte der Beschäftigten gibt an, für ihre tägliche Arbeit auf zuverlässig funktionierende digitale Systeme (z.B. E-Mail, Cloud-Systeme) angewiesen zu sein. Dies weist auf eine hohe Abhängigkeit von digitalen Technologien im Arbeitsalltag hin.
Trotz des rasanten technologischen Wandels blickt die Mehrheit der Beschäftigten optimistisch auf die eigene berufliche Zukunft. Nur 11% befürchten, ihren Arbeitsplatz aufgrund neuer Technologien oder KI zu verlieren. Dagegen halten 23% es für wahrscheinlich, dass einzelne ihrer Aufgaben automatisiert werden.
Auffällig: Befragte schätzen die persönliche gegenüber der gesamtgesellschaftlichen Betroffenheit positiver ein. So erwarten 36% der Befragten, dass Automatisierung künftig zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit führen könnte. Prof. Dr. Bruno Staffelbach von der Universität Luzern, der die Studie seit 2006 herausgibt, schlussfolgert: «Viele Befragte sind also überzeugt, dass der digitale Wandel für sie persönlich weniger Risiken mit sich bringt als für den Durchschnitt der Beschäftigten insgesamt.»
Bruno Staffelbach ergänzt: «Die Studie zeigt, dass die Wahrnehmung des digitalen Wandels massgeblich von den organisationalen Rahmenbedingungen geprägt wird.» Beschäftigte mit hohen Handlungsspielräumen, unterstützender Führung, Partizipationsmöglichkeiten und Möglichkeiten zum Kompetenzaufbau verfügen über ein höheres Vertrauen in ihre digitalen Fähigkeiten (d.h. digitale Selbstwirksamkeit) und zeigen weniger Automatisierungsängste.
Umgekehrt sind Beschäftigte, die sich vor Automatisierung fürchten, auch eher gestresst, unzufrieden mit ihrer Arbeit und weniger engagiert gegenüber ihren Arbeitgebenden. «Unternehmen können diesen Risiken begegnen, indem sie Weiterbildung fördern, Entwicklungswege sichtbar machen und Beschäftigte stärker in Veränderungsprozesse einbeziehen», so Mitherausgeberin Dr. Manuela Morf von der Universität Luzern.
Die langfristigen Trendanalysen zeichnen insgesamt ein positives Bild. Arbeitszufriedenheit, Laufbahnzufriedenheit und Commitment bleiben auf hohem Niveau. Gleichzeitig nimmt die wahrgenommene Arbeitsplatzunsicherheit zu und die Einschätzung der eigenen Arbeitsmarktfähigkeit fällt etwas vorsichtiger aus als noch 2024.
Zudem zeigen sich Entwicklungen, die Aufmerksamkeit verdienen. Die Partizipation der Beschäftigten ist leicht rückläufig, regelmässige Leistungsbeurteilungen sind weiterhin nicht selbstverständlich, und die durchschnittliche Zahl der Weiterbildungstage ist gesunken. Gleichzeitig gewinnen alternative Karrierevorstellungen an Bedeutung. Immer mehr Beschäftigte messen klassischen Karrierezielen eine geringere Bedeutung bei und legen stattdessen Wert auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit.
Digitaler Wandel: Zwischen Zuversicht und Automatisierungsangst