Learning-Management-Systeme (LMS) haben sich bereits seit Jahrzehnten in Unternehmensumgebungen bewährt, in denen regelmässig geforderte Unterweisungen, Produktbriefings für den Vertrieb oder Fortbildungen zum Pflichtprogramm gehören. Spätestens seit der Corona-Pandemie haben diese Systeme auch in Bildungseinrichtungen ihren festen Platz gefunden.
Sie werden in verschiedenen Komplexitätsgraden angeboten, sowohl hinsichtlich ihrer Funktionalität als auch technischer Bedingungen, die zu diversen Unternehmensformen und -grössen passen. So bieten LMS häufig Test- und Zertifizierungsfunktionen, Self Assessments oder die Möglichkeit, individuelle Lernpfade für Mitarbeitende im Sinne einer Talententwicklung vorzugeben. Die Basisfunktionalität umfasst eine Kursverwaltung, ein Content-Management-System für verschiedene Medienformen, eine Benutzerverwaltung, Kommunikations-Werkzeuge und eine einheitliche Benutzeroberfläche, die über verschiedene definierte Rollen Zugriffe auf die Funktionen erlaubt.
Technisch gesehen ist das Thema seit Aufkommen von Mietsoftware, die in sogenannten Clouds auf externen Servern gehostet wird (Software-as-a-Service SAAS) auch für mittelständische Unternehmen keine grosse Herausforderung mehr.
Auf dem Weg zu einer «lernenden Organisation» sind Unternehmen allein mit der Implementation eines LMS allerdings noch nicht.
Was hat Lernen mit Unternehmenskultur zu tun?
«New Work» heisst das Stichwort für Organisationen, die sich für Herausforderungen der Zukunft neu aufstellen. Vernetzung der Mitarbeitenden untereinander, Eigeninitiative, Autonomie und Kollaboration spielen im zukunftsfähigen Wertemix eine tragende Rolle. Der E-Learning-Experte Jan Foelsing formuliert in Anlehnung des menschlichen Reifegradmodells der «Spiral Dynamics» [1] ein Stufenmodell der Lernerfahrungsentwicklung, die dem jeweiligen Reifegrad einer Organisation entspricht. In diesem Modell wird der Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und Lernerfahrung verdeutlicht (siehe Abbildung).
In reiferen Organisationen wird kontinuierliches Lernen auf das individuelle Entwicklungsprofil der Mitarbeitenden zugeschnitten. Die Inhalte speisen sich aus diversen On- und Offline-Quellen und -Formaten wie beispielsweise Zoom-Vorlesungen, die etwa von Universitäten angeboten werden, Learning Communities, die sich zu bestimmten Themen oder in Branchen zusammenschliessen, oder persönlichen Coachings oder Team-Seminaren zum Erlernen gruppendynamischer Methoden. Die Mitarbeitenden, die häufig über Expertenwissen verfügen, von dem HR-Verantwortliche wenig wissen, vernetzen sich idealerweise in selbstgesteuerten Learning Communities oder in explorativen Projektteams. Die autonome Vernetzung der Mitarbeitenden untereinander ist ein wichtiger Treiber des Wissensaustauschs.
Die Entwicklung solcher Kompetenzen in einer Welt mit schnellen Technologiesprüngen ist aus einer zentralistischen Perspektive, in der alle Weiterbildungsaktivitäten gesteuert und kontrolliert werden, kaum zu leisten. Ein weiterer kritischer Faktor von Top-Down-Ansätzen für Weiterbildungsmassnahmen ist die Aktivierung intrinsischer Motivation, die zwar häufig mit sogenannten Gamification-Elementen gefördert werden soll, aber dergestalt auch schlicht albern wirken kann und zudem technischen Aufwand erfordert. Grassroots-Initiativen in Projekt- oder Lerngemeinschaften dagegen entstehen eher aus konkreten Arbeitserfordernissen und Entwicklungen in den spezifischen Tätigkeitsbereichen der Mitarbeitenden und sind per se intrinsisch motiviert.
Sogenannte Learning-Experience-Systeme (LXS) unterstützen diese Lernkultur: Vielfältige Lernquellen und -initiativen, also sowohl top-down gesteuerte Massnahmen als auch individuell oder innerhalb von Communities entwickelte Lerninitiativen. Recherche, Lerninhalte und Kommunikation, Buchungsmöglichkeiten sowie Agendaverwaltung sind in einer Benutzeroberfläche kombiniert, die eine konsistente und leichte Nutzererfahrung (User Experience) gewährleistet.
Learning-Experience-Systeme (LXS): Arbeitszeit = Lernzeit