«Wir tendieren dazu, unsere Muster und Fehler ständig zu wiederholen. Wenn wir da rauswollen, müssen wir erstmal mit uns selbst arbeiten», so Kinder. Genau das bildet die erste Ebene des Programms: die persönliche Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Teilnehmenden lernen, ihre Identität zu klären, Resilienz aufzubauen und Selbstführung zu praktizieren. Erst dann geht es weiter mit der sozialen Interaktion, der kollektiven Wirksamkeit im System und schliesslich der Gestaltung von Zukunft.
Die Future Skills im Programm sind entlang dieser vier Entwicklungsfelder konzipiert: Person, Interaktion, System und Kreation. «Wer eine echte Zukunftsfähigkeit entwickeln will, muss alle Ebenen durchlaufen – vom Selbstzugang über gemeinsames Handeln bis zur Umsetzung eigener Ideen», erklärt Kinder. Die Theorie U bietet dafür einen strukturierten, praxisnahen Orientierungsrahmen.
Messbare Wirksamkeit
Ein zentraler Punkt des Programms ist der Nachweis der Wirksamkeit. Gemeinsam mit der Universität Salzburg und einem Pilotmarkt wurde ein wirkungsorientiertes Design mit Test- und Kontrollgruppen entwickelt. Dabei kommen Pre- und Posttests sowie eine Wartekontrollgruppe zum Einsatz.
Erste Ergebnisse zeigen deutliche Effekte. Teilnehmende berichteten von einem durchschnittlichen Kompetenzzuwachs von 23%, die Führungskräfte bestätigten dies mit 21%. Auch auf der Verhaltensebene sei ein Transfer erkennbar. Kinder: «Das zeigt, dass sich wirklich etwas getan hat – sichtbar im Arbeitsalltag.»
Von Zufriedenheit bis Umsatzplus
Die Zufriedenheit der Teilnehmenden war hoch: 9.3 von 10 Punkten für das Gesamtprogramm, 9.8 für das Coaching. Auch die harten Zahlen überzeugen: In einem Pilotmarkt stiegen die Umsätze um 19%, Stückzahlen sogar um 25%. «Wir waren selbst überrascht, wie stark die Zielerreichung war – 115% im Schnitt», berichtet Kinder.
Ziel ist es nun, in weiteren Märkten die Korrelation zwischen den Metakompetenzen und konkreten Unternehmenskennzahlen systematisch zu analysieren. Der Aufwand sei hoch, aber lohnend: «Wenn wir nachweisen können, welche Skills wirklich entscheidend für den Erfolg sind, ist das ein Game Changer für jede HR-Strategie.»
Zukunftsfähigkeit – aber messbar
Doch wie lässt sich Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens überhaupt definieren? Laut Kinder geht es um drei Dimensionen: Robustheit, Unabhängigkeit und Antizipationsfähigkeit. Ziel sei es, «nicht nur auf Krisen reagieren zu können, sondern sie auch vorherzusehen und selbstbestimmt zu agieren.»
Die Verbindung von individuellen Kompetenzen zu organisationaler Zukunftsfähigkeit ist dabei der nächste Schritt im Forschungsprojekt. Erste Hypothesen sollen mit konkreten Kennzahlen verknüpft und validiert werden. «Vielleicht darf ich in zwei bis drei Jahren wiederkommen und die Ergebnisse vorstellen», sagte Kinder augenzwinkernd zum Abschluss seines Vortrags.
Weniger ist wirksamer