Mentale Gesundheit im Arbeitsalltag

Freitag, 30. Januar 2026 - Judith Fischer
Das Buch «Mental Health at Work: Wie wir unsere beste Arbeit machen und ­dabei gesund bleiben» von Nora Dietrich zeigt, wie mentale Gesundheit im ­Arbeitsleben umgesetzt werden kann. Die Psychotherapeutin plädiert dafür, ­Belastungen ernst zu nehmen und rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Das lohnt sich nicht nur für Betroffene, sondern auch für deren Arbeitgeber.

Was brauchen wir, um unsere beste Arbeit zu leisten und dabei mental gesund zu bleiben? Ein einfaches Rezept gibt es nicht, denn das Leben und die mentale Gesundheit sind komplex. Das Buch zeigt jedoch, welche Voraussetzungen dafür hilfreich sind: Neugier, Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung.

Die approbierte psychologische Psychotherapeutin verfügt über Erfahrung in stationärer und ambulanter Psychotherapie. Sie unterstützt Organisationen dabei, mentale Gesundheit auf die Agenda zu setzen. Ihr Ziel ist eine gesündere Arbeitswelt, in der psychische Gesundheit kein Tabu mehr ist und Unterstützung früh genug erfolgt.

Trotz ihrer fachlichen Expertise schreibt Dietrich gut verständlich und praxisnah – mit vielen Geschichten, Beispielen, Grafiken, Zitaten, praktischen Tipps, hilfreichen Werkzeugen und Reflexionsfragen.

Grenzen erkennen

Gesunde Arbeit besteht laut Dietrich aus vier Komponenten: gesundes Ich, gesundes Team, gesunde Führung und gesunde Organisation. Nach diesen Dimensionen ist auch das Buch aufgebaut.

Niemand wird absichtlich psychisch krank. Die Ursachen sind vielfältig und beruhen auf einem Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren.

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht, aber entscheidend ist die Dosis. Oft merken wir Überlastung erst zu spät. Chronischer Stress entsteht dort, wo Überforderung alltäglich wird und Work-Life-Balance zwar propagiert, aber nicht gelebt wird. Führungskräfte und auch HR-Personen sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Arbeit darf laut Dietrich fordern, aber nicht krank machen.

Das Buch regt an, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Dafür gibt es zahlreiche Reflexionsfragen, wie z.B.: Wie reagierst du auf den Langzeitausfall eines Teammitglieds? Trage ich zu einer gesunden Arbeitsumgebung bei, oder bin ich Teil des Problems?

Taten statt Worte

Dietrich zeigt, dass sich Investitionen in mentale Gesundheit für Unternehmen lohnen: Gute Gesundheit ist gutes Business. Engagiertere Mitarbeitende, weniger Fluktuation, weniger Absenzen sowie bessere Ergebnisse sind die Folge.

Dietrich warnt vor Wellbeing-­Washing – dem blossen Bekenntnis zur mentalen Gesundheit ohne konkrete Taten. Wer Überstunden regelmässig duldet, kann keine gesunde Balance erwarten. Niemand könne eine unrealistische Arbeitslast wegmeditieren. Auch Well-Wishing (wir hoffen, euch geht’s gut) hilft nicht.

In einem gesunden Team stimmen Ziele und Ressourcen überein. Die Kultur ist unterstützend, die Führungskraft gibt Rückendeckung. Dietrich empfiehlt, im Team Belastungen regelmässig anzusprechen, Meeting-freie Tage einzuplanen, Pufferzeiten zu schaffen und Prioritäten bewusst zu setzen. Nicht jeder Mitarbeitende möchte allerdings über seine mentale Gesundheit sprechen – und Führungskräfte sind keine Therapeuten. Auch hier gilt es, Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Ein kleines Glossar sowie ein Literaturverzeichnis runden das Buch ab.

«Mental Health at Work» ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Es bietet keine schnellen Lösungen oder einzelne Krankheitsbilder mit Therapiemöglichkeiten, sondern zeigt mögliche Wege auf, Arbeit mental gesünder zu gestalten – individuell, im Team, in der Führung und auf Unternehmensebene. 

Mental Health at Work

Wie wir unsere beste Arbeit machen und dabei gesund bleiben

Nora Dietrich
Verlag Franz Vahlen GmbH, 2025
ISBN 978-3-8006-7557-9

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