Psychische Belastungen nehmen zu: Chatbot «Ella» vermehrt im Einsatz

Montag, 02. Februar 2026
Psychische Belastungen entwickeln sich zunehmend zu einem der grössten Risiken für die Arbeitswelt, mit spürbaren Folgen für Mitarbeitende, Unternehmen und die Volkswirtschaft. Während Unterstützung oft zu spät greift, gewinnt frühe, niederschwellige Hilfe an entscheidender Bedeutung. Hier kommt Mental-Health-Chatbot «Ella» zum Zug.

Zahlreiche Studien zeigen es laut Mitteilung von Angestellte Schweiz deutlich: Stress, Erschöpfung und andere psychische Erkrankungen gehören zu den zentralen Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt. Gleichzeitig steigen die gesundheitsbedingten Absenzen kontinuierlich. Mentale Gesundheit wird daher auch 2026 ein zentrales Thema für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bleiben.

Ergänzend stellen grosse KI-Plattformen fest, dass Nutzerinnen und Nutzer vermehrt Gespräche mit Anzeichen psychischer Probleme führen. Fachpersonen warnen in diesem Zusammenhang wiederholt davor, KI-Plattformen als Ersatz für ausgebildete Fachkräfte im Bereich der psychischen Gesundheit zu betrachten, da das Risiko von schädlichen oder irreführenden Ratschlägen besteht.

«Ella» ist anders als andere KI-Plattformen

Der hohe Bedarf an niederschwelliger Unterstützung zeigt sich auch an den steigenden Nutzerzahlen von Ella. Ella ist ein KI-basierter Mental-Health-Chatbot und Avatar innerhalb der Webanwendung «Etwastun?!», die von Angestellte Schweiz und WorkMed entwickelt, und von Kuble - House of Intelligence realisiert wurde. Seit der Lancierung im Mai 2025 wurden bereits über 5000 Konversationen mit Ella geführt.

Im Unterschied zu anderen KI-Plattformen begleitet Ella Menschen gezielt bei Problemen im Arbeitsleben. Sie ist anonym nutzbar und bewusst als ergänzendes, präventives Angebot konzipiert, nicht als Ersatz für Therapie oder medizinische Behandlung. Ella basiert auf den Inhalten von «Etwastun?!», die von Menschen für Menschen entwickelt wurden. Nutzende erhalten fundierte Impulse, nicht so bei allgemeinen KI-Systemen, deren Antworten primär auf algorithmischen Wahrscheinlichkeiten aus dem Internet beruhen.

Neu: Ella kann sich erinnern

Neu verfügt Ella über eine optionale Memory-Funktion. Diese ermöglicht es, Gespräche über längere Zeit hinweg fortzuführen. Der Chatbot kann dadurch gezielter nachfragen, Zusammenhänge erkennen und Nutzerinnen kontinuierlich begleiten. Die Funktion ist freiwillig, setzt einen Login voraus und kann jederzeit deaktiviert werden. Sämtliche Daten werden anonym in der Schweiz gehostet.

Hilfe kommt oft zu spät

Trotz alarmierender Zahlen suchen viele Betroffene Unterstützung erst sehr spät. Gründe dafür sind unter anderem Zeitdruck, Angst vor Stigmatisierung oder die Sorge, im beruflichen Umfeld als weniger belastbar wahrgenommen zu werden. Gerade am Arbeitsplatz fehlt es häufig an anonymen, niederschwelligen Angeboten, die frühzeitig ansetzen, bevor aus Belastung eine Erkrankung wird.

Früh ansetzen statt später reparieren

Aktuelle Studien zeigten laut Jan Borer, Arbeitspsychologe bei Angestellte Schweiz, dass psychische Belastungen weiter zunehmen und erhebliche Kosten verursachen. Umso wichtiger sei es, Menschen frühzeitig zu erreichen: anonym, ohne Hürden und direkt im Arbeitsalltag. Genau hier könne eine digitale Begleitung wie Ella einen entscheidenden Unterschied machen.

Ella richtet sich an Menschen, die sich orientieren, reflektieren oder entlasten möchten, bevor der Druck zu gross wird. Gerade diese frühe Begleitphase gilt als entscheidender Hebel, um langfristige Ausfälle und persönliche Leidenswege zu verhindern.

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