Berufserfahrung wird in der Schweiz zu wenig honoriert

Donnerstag, 26. März 2026
Die KPMG AG wurde zum Best Recruiter 2025/26 der Schweiz gekürt. Das ergibt eine aktuelle Studie, die zum 13. Mal die Recruiting-Qualität von über 400 Schweizer und Liechtensteiner Arbeitgebern analysiert. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Ältere und somit erfahrene Bewerbende werden zu wenig wahrgenommen.

Die Ergebnispräsentation BEST-RECRUITERS-Studie 2025/26 offenbart ein differenziertes Bild:

  • Berufserfahrung wird im Bewerbungsprozess häufig nicht honoriert und Massnahmen für die Generation 50+ finden sich selten.
  • Künstliche Intelligenz wird im Auswahlprozess noch sehr zögerlich eingesetzt: Etwa ein Drittel der Arbeitgeber, die KI einsetzen, lassen sich punktuell beim Matching von Lebenslauf und Stellenanzeige unterstützen, treffen aber nach wie vor selbst die Entscheidungen. Der Rest des KI-Einsatzes betrifft die Erstellung von Texten.
  • Andererseits tragen Arbeitgeber häufiger Benefits aus dem Gesundheits- und Weiterbildungsbereich nach aussen.
  • Eine Gehaltsangabe ist weiterhin sehr selten auf Stellenanzeigen zu finden, allerdings ist die Kommunikation von Equal Pay gestiegen: Jeder fünfte Arbeitgeber thematisiert nun geschlechtsunabhängig gleiche Bezahlung.

Die Top-10-Recruiter 2025/26 in der Schweiz und Liechtenstein im Überblick

  1. KPMG AG
  2. PROMEA Sozialversicherungen
  3. Migros Bank AG
  4. Helsana Versicherungen AG
  5. Graubündner Kantonalbank
  6. Raiffeisen Schweiz Genossenschaft
  7. CSS
  8. IWB Industrielle Werke Basel
  9. SBB AG10
  10. Hilti AG

Details zu den Erkenntnissen der BEST-RECRUITERS-Studie 2025/26:

Berufserfahrung ist kaum ausschlaggebend

In der aktuellen Studie wurden zwei Mystery-Bewerbungen auf eine Führungsposition verschickt. Der entscheidende Unterschied: Alter und Berufserfahrung der Bewerbenden. Das Ergebnis ist eindeutig: Trotz höherer Erfahrung erhielt die ältere Person nicht häufiger eine Zusage. Studienleiter Christian Pasteka dazu: «Ältere und somit erfahrene Bewerbende werden häufig übersehen, selbst wenn sie die optimalen Qualifikationen mitbringen. Potenziale werden somit häufig nicht genutzt.» Auch ein Blick auf Karriere-Websites zeigt Handlungsbedarf: Nur 18% sprechen gezielt Menschen mit Berufserfahrung an, konkrete Massnahmen für die Generation 50+ finden sich sogar nur bei 4% der Unternehmen. Die Arbeitgeber sind hier angesichts des Fachkräftemangels gefragt, diese wertvolle Zielgruppe nicht zu übersehen. Für viele Bewerbende über 50 bleibt der Zugang zum Arbeitsmarkt entsprechend schwierig.

Penso HR-Forum 2026

Am 1. September 2026 findet das Penso HR-Forum 2026 statt, dessen zentrales Thema Mitarbeitende im Alter 50+ ist.

Weitere Informationen und Anmeldung

Stärkerer Fokus auf Gesundheit und Weiterbildung

Die Kommunikation von Benefits ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte gestiegen: Knapp drei Viertel der Schweizer Karriere-Websites heben dieses Jahr Benefits hervor; besonders gestiegen ist die Kommunikation von Gesundheitsmassnahmen wie sportlicher Gesundheitsförderung, die nun von 43% der Arbeitgeber angesprochen wird - um 7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Ebenso wird ein stärkerer Fokus auf Weiterbildungsmöglichkeiten gelegt: Beinahe drei Viertel der Arbeitgeber kommunizieren interne Kurs- und Seminarangebote. «Bei diesen Massnahmen handelt es sich um Angebote, welche die Lebensqualität langfristig steigern. Arbeitgeber kommunizieren also vermehrt Faktoren, die Mitarbeitende länger im Unternehmen halten - und das schon im Bewerbungsprozess», stellt Studienleiter Christian Pasteka fest.

Gehaltstransparenz ist mit 4% nach wie vor gering

Während in der EU die Gehaltstransparenzrichtlinie in Kraft tritt, müssen Gehälter nach wie vor nicht in Schweizer Stellenanzeigen thematisiert werden. Der Anteil ist zwar von 1% auf 4% gestiegen, ist aber verschwindend gering. Häufiger als im Vorjahr wird Equal Pay auf den Schweizer Karriere-Websites thematisiert: Im Vorjahr waren es 12%, nun thematisieren 20% der Arbeitgeber die gleiche Bezahlung der Geschlechter und somit aktives Commitment zur Verringerung des Gender Pay Gaps.

KI sorgt für Unsicherheit, Auswahl geschieht noch immer persönlich

Ganze 74% wollen keine Auskunft zum Einsatz von KI geben: Ein potenzieller Bewerber erkundigte sich bei den untersuchten Unternehmen, wie der jeweilige Arbeitgeber zur Nutzung von KI im Arbeitsalltag steht, nur 26% beantworteten die Anfragen überhaupt. Gefragt nach dem Einsatz von KI im Bewerbungsprozess sagen die untersuchten Arbeitgeber: KI wird eingesetzt, häufig zur Unterstützung bei der Erstellung von Stellenanzeigen. Nur vereinzelt wird KI systematisch für die Vorauswahl eingesetzt, indem die CV mit den Anforderungen gematcht werden. Dabei wird aber betont, dass der Mensch im Fokus steht und die KI keine Entscheidungen trifft. Häufig verhindern ausserdem Datenschutzbestimmungen den Einsatz im Auswahlprozess.

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