Das Vertrauen-Dürfen am Arbeitsplatz basiert auf Sicherheit in ihren verschiedenen Dimensionen und wird als zentraler Wert für den Erfolg von Teams und Organisationen erkannt. Laut Amy Edmondson, US-amerikanische Sozialwissenschaftlerin und Professorin für Leadership und Management an der Harvard Business School, bezeichnet der Terminus «Psychologische Sicherheit» am Arbeitsplatz das Gefühl, dass Teammitglieder ihre Gedanken und Bedenken offen äussern können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Dies fördert nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch Innovation und Kreativität (Fostering innovation through psychological safety, 2017, Studie von Michiel van der Vegt, Professor für Management an der Universität Groningen, NL).
Ein gutes Beispiel für psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz ist das Softwareunternehmen Google, das in einer umfassenden Studie herausfand, dass Teams, in denen sich die Mitglieder sicher fühlten, um ihre Meinungen zu äussern, signifikant leistungsstärker waren. Solche Teams begreifen Fehler als Lerngelegenheiten. Mitarbeitende sind motiviert, Risiken nicht zu ignorieren, sondern zu beurteilen und mit Mut kreative Lösungen zu entwickeln, weil sie wissen, dass ihre Ideen geschätzt werden.
Das beste Beispiel für unabdingbare psychologische Sicherheit sind Spitäler; Zutrauen zu erleben, offenes Feedback zu geben und anzunehmen, legt die Basis für transparenten und ungefilterten Input, dies ermöglicht eine schnelle Reaktion auf einen kritischen Zustand von Patienten und verbessert so die Qualität der Pflege.
Führungskräfte sind verantwortungsvolles Vorbild, um aktiv eine Kultur des Vertrauens zu schaffen. Dies beginnt mit einer offenen Kommunikation, in der Mitarbeitende ermutigt werden, ihre Gedanken und Beobachtungen zu teilen. Regelmässige Teambesprechungen, in denen alle Stimmen gehört werden, offen über Fehler gesprochen und die Bedeutung von Lernen aus Misserfolgen betont wird, stärken das Vertrauen.
Ein weiterer Aspekt ist das Feedback: In einem psychologisch sicheren Umfeld ist konstruktives Feedback ein Must. Mitarbeitende müssen sich sicher fühlen, sowohl positives als auch negatives Feedback zu geben und zu erhalten. Eine Möglichkeit, dies zu fördern, ist die Einführung von 360-Grad-Feedback-Prozessen, bei denen Mitarbeitende Rückmeldung von Kolleginnen, Vorgesetzten, Untergebenen und Kundinnen erhalten. Dies schafft ein umfassenderes Bild der Teamdynamik und fördert ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung.
Die Bedeutung von psychologischer Sicherheit zeigt sich auch in der Diversität der Teams. Unterschiedliche Perspektiven und Hintergründe von Mitarbeitenden, die vorbehaltlos ihre wertvollen Ideen und Lösungsansätze einbringen, machen den Unterschied. Beispiel hierfür ist die Automobilindustrie, wo diverse, der offenen Kommunikation verpflichtete Teams bei der Entwicklung neuer Technologien wie von Elektrofahrzeugen oder autonomem Fahren entscheidend sind. Weitere Beispiele finden sich in der Finanzwirtschaft. Hier gilt die ZKB ebenso als Rollenmodell wie die Swiss Re in der Rück- und Versicherungsbranche. In der Pharmabranche geht die Novartis voran. Nachahmung empfiehlt sich und wird topaktuell in Zeiten der Unsicherheit!