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Keine Behandlung um jeden Preis

Dienstag, 22. Dezember 2020
Rein virtuell fand am 15. Dezember 2020 die 4. RVK-Tagung Langzeitpflege zum Thema «Pflege im Spannungsfeld zwischen Ethik, Medizin und Ökonomie» statt. Die Referenten machten eins klar: Es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, wie Ethik, Medizin und Ökonomie unter einen Hut zu bringen sind.

Bereits im ersten Referat legt Ruth Baumann-Hölzle, Dr. theol. und Institutsleiterin der Stiftung Dialog Ethik, den Finger auf eine Wunde in der Pflegefinanzierung. Auf die Pflege im engeren Sinn besteht ein verfassungsmässiger Anspruch und dementsprechend ist auch die Finanzierung der Pflegeleistung durch die Krankenversicherung sichergestellt. Anders sieht das bei der Betreuung und den Pensionskosten aus. Diese sind durch die Leistungsempfänger selbst zu finanzieren und werden, falls die Einkünfte der Heimbewohner dafür nicht ausreichen, durch die Ergänzungsleistungen gedeckt. Doch – und hier bewegen wir uns von der Ökonomie hin zur Ethik – Pflege ist ohne Betreuung nicht möglich. So fordert Baumann-Hölzle letztlich eine Zugangsgerechtigkeit zu Pension, Betreuung und Pflege unabhängig von Einkommen oder Vermögen. Denn für eine gute Lebensqualität müssen die Betroffenen nicht nur gepflegt, sondern auch betreut werden.

Sterben dürfen

Dr. med. Roland Kunz, ehemaliger Chefarzt der universitären Klinik für Akutgeriatrie im Stadtspital Waid, beginnt sein Referat «Ethische Fragen in der medizinischen Versorgung alter Menschen» mit einem Zitat der «Peanuts»: «Eines Tages werden wir alle sterben, Snoopy!», sagt Charlie Brown und Snoopy antwortet «Ja, aber an allen anderen Tagen nicht.»Kunz verweist damit darauf, dass der Tod über Jahrtausende nicht in menschlicher Verfügungs- und Entscheidungsgewalt lag. Heute hingegen könne medizinisch ins Sterben eingegriffen werden. Hier setzt seine Frage an: «Muss jedes medizinische Problem maximal behandelt werden?» Die Ärzte und die Pflegenden sind in der Verantwortung und müssen zusammen mit den Betroffenen und ihren Angehörigen entscheiden, wann von einer kurativen auf eine palliative Behandlung umgestellt werden soll. Dabei soll ein Ziel vor Augen gehalten werden: Gute Lebensqualität trotz chronischer Krankheiten statt Kampf gegen die Krankheiten um jeden Preis. Dazu gehört auch, das Ende zu akzeptieren und ein gutes Sterben zu ermöglichen.

Das Wohl des Patienten an erster Stelle

Diese Ansicht vertritt auch Marianne Pfister, Geschäftsführerin Spitex Schweiz, in der abschliessenden Podiumsdiskussion. Sie selbst musste zusammen mit ihren Geschwistern akzeptieren, dass ihr Vater nach unzähligen Spitalaufenthalten genug hatte und keine kurative Behandlung mehr wollte. Danach habe sich eine Erlösung eingestellt sowie gute Gespräche mit dem Vater und schliesslich ein guter Abschied.

Von einem ähnlichen Erlebnis berichtet auch Baumann-Hölzle und verweist auf ein politisches Problem, das mit einer Motion (18.4226) von Bea Heim (SP) hätte gelöst werden können, die am 14. Dezember vom Nationalrat abgelehnt wurde. So lange Ärzte Boni und Kickbacks erhielten, bestehe die Gefahr, dass die finanziellen Interessen dem Wohl des Patienten im Weg stünden.

Es gibt also noch einige Herausforderungen im Spannungsfeld von Ethik, Medizin und Ökonomie, die diskutiert werden müssen. Wobei es Dr. Markus Leser, Mitglied der Geschäftsleitung Curaviva Schweiz, auf den Punkt bringt: «Diskussionen verhindern manchmal das Handeln!» (gg)

Die Videos von sämtlichen Referaten wie auch die Präsentationen sind auf der Website des RVK zugänglich.

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