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Wer sich gegen Nachwuchs entscheidet, tut dies selten wegen fehlender 100 Franken pro Betreuungstag.
Von Beatrix Bock
Das neue UKiBeG sorgt vor allem für ungläubiges Staunen – weniger wegen seiner Wirkung als vielmehr wegen seines Namens: Kaum jemand weiss, wofür das Kürzel überhaupt steht. Dafür ist die Wirkung umso klarer verkauft: Eltern von Kindern bis acht Jahre erhalten neu rund 100 Franken pro Kita-Tag. Ein warmer Geldregen, der politisch gut klingt und den Ausbau der familienpolitischen Leistungen weiter antreibt. Die Einführung des UKiBeG dürfte nach Ablauf der Referendumsfrist diesen Juli definitiv werden.
Denn mehr Geld für Betreuung heisst noch lange nicht mehr Kinder. Die Geburtenrate reagiert notorisch träge auf solche punktuellen Anreize. Wer sich gegen Nachwuchs entscheidet, tut dies selten wegen fehlender 100 Franken pro Betreuungstag. Was es bräuchte, wäre grundsätzlicher: bezahlbarer Wohnraum, tiefere Fixkosten, steuerliche Entlastung und echte Planungssicherheit. Vor allem aber fehlt die reale Wahlfreiheit beim Lebensmodell. Früher konnte es sich eine Familie leisten, die Kinder selber zu erziehen. Heute ist das für viele finanziell illusorisch. Zwei Einkommen sind Pflicht, und am Ende bleibt oft kaum mehr übrig als vorher. Gleichzeitig gilt Karriere als chic, während die Familienbetreuung zunehmend ausgelagert wird. Freiheit wird beschworen, existiert aber nicht – denn wer sich ein Modell nicht leisten kann, hat faktisch keine Wahl.
Parallel dazu wird auch bei der Erwerbsersatzordnung weiter ausgebaut. Neu erhalten Eltern eine Betreuungsentschädigung, wenn ihr Kind wegen Krankheit oder Unfall mindestens vier Tage im Spital liegt. Der Anspruch umfasst die Dauer des Spitalaufenthalts und der Genesung, insgesamt höchstens 98 Taggelder. Zudem verlängert sich die Mutterschaftsentschädigung, wenn Mutter oder Neugeborenes innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt mindestens zwei Wochen ununterbrochen im Spital bleiben müssen.
Das mag im Einzelfall sinnvoll sein, fĂĽgt sich aber nahtlos in ein grösseres Bild ein: den stetigen, kaum je gebremsten Ausbau der ÂSozialversicherungen – inklusive wachsender Kosten. Politisch wirkt das wie eine permanente Babyshower des Staats: nett verpackt, positiv verkauft und mit viel Applaus begleitet. Doch bei nĂĽchterner Kalkulation verändert es am Grundproblem wenig. Wer glaubt, dass fĂĽr jede Lebenslage eine neue Entschädigung automatisch zu mehr Kindern fĂĽhrt, verwechselt Sozialausbau mit Familienpolitik. Mehr Formulare, mehr Taggelder und mehr ZuschĂĽsse schaffen noch keine grössere Lust auf Familie – sicher keine höheren Geburtenraten.
Unterm Strich bleibt der Eindruck einer Politik, die viel Geld bewegt, aber wenig verändert. Die Massnahmen sind gut gemeint, politisch bequem und gesellschaftlich schwer angreifbar – aber als echte Lenkungsinstrumente weitgehend wirkungslos. Ein Tropfen auf den heissen Stein, finanziert mit wachsender Selbstverständlichkeit. Die Einführung dürfte wohl 2027 oder noch später erfolgen – ein genaues Datum steht jedoch noch nicht fest, ebenso wenig wie die konkreten Ausführungsbestimmungen.
100 Franken pro Tag – und kein Kind mehr