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Traum vs. Realität: 71% der Schweizerinnen und Schweizer würden sich gerne frühpensionieren lassen, doch nur gerade 26% halten dies finanziell für realistisch. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage.
Die Schweizerinnen und Schweizer wünschen sich, den Moment ihrer Pensionierung selbst bestimmen zu können. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die von MIS Trend im Auftrag der Groupe Mutuel und Le Temps durchgeführt wurde. «Wunsch und Wirklichkeit klaffen jedoch weit auseinander», stellt MIS Trend fest. Gewünscht wäre eine Pensionierung mit 57 Jahren – also deutlich vor dem Referenzalter und sogar vor der heute geltenden Untergrenze von 58 Jahren.
Tatsächlich bleibt die Frühpensionierung für viele nach wie vor ein Luxus. Während 71% der Befragten davon träumen, geben 38% an, bis zum ordentlichen Rentenalter arbeiten zu wollen, und 18% können sich sogar vorstellen, durchaus länger zu arbeiten. Der Faktor Geld bestimmt dabei den Zeitpunkt der Pensionierung massgeblich mit, denn für 59% der Befragten hängt der Entscheid ausschliesslich oder
fast ausschliesslich von finanziellen Überlegungen ab.
«Oft ist es eher eine Frage des Könnens als eine Frage des Wollens», wie aus der Umfrage hervorgeht. Gesundheit, Freude an der Arbeit und Familie spielen auch eine Rolle, sind jedoch zweitrangig.
Erfreulich ist, dass die Schweizerinnen und Schweizer – gemäss Umfrage sind es 64% – Vertrauen in ihre Vorsorge haben. Spitzenreiterin ist dabei die 3. Säule: 83% bewerten deren finanzielle Situation positiv, bei der 2. Säule sind es 75%, und bei der AHV 62%.
Doch dieses Vertrauen ist kein Blankoscheck, denn nur gerade 17% sind der Meinung, dass die AHV ohne tiefgreifende Reformen in 20 Jahren noch existieren wird. 59% gehen davon aus, dass sie ihre heutige Form gravierend ändern wird. «Das Vertrauen ist nach wie vor da, trotzdem wird der Ruf nach Reformen immer lauter», wie MIS Trend festhält.
Die Erhöhung des Rentenalters bleibt dagegen ein kontroverses Thema: Nur gerade 18% der Befragten befürworten eine generelle Anhebung. 41% würden sie nur für körperlich weniger anstrengende Arbeiten gutheissen, und noch einmal so viele lehnen die Erhöhung kategorisch ab.
Dagegen wünscht sich die Schweizer Bevölkerung Massnahmen für ältere Arbeitnehmer. 55% sprechen sich für Massnahmen aus, um ältere Arbeitnehmende im Arbeitsmarkt zu halten, und 53% befürworten die Möglichkeit, ab 55 oder 60 Jahren beruflich kürzer zu treten, auch wenn sie damit eine tiefere Rente hinnehmen müssten. «Das Modell, das sich herauskristallisiert, ist kein einheitliches Rentenalter, sondern ein schrittweiser Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand», fasst die Umfrage zusammen.
Was in der Debatte um das Rentenalter stets mitschwingt, ist die Angst um den Lebensstandard. Mit 56% macht sich über die Hälfte der Befragten Sorgen um ihr Einkommen nach der Pensionierung. Nur 27% der Schweizerinnen und Schweizer glauben, den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand beibehalten zu können.
Das Fazit der Umfrage fällt deutlich aus. Gefordert wird nicht nur ein früheres Rentenalter, sondern auch eine flexiblere und für die Gesellschaft insgesamt nachhaltigere Regelung der Pensionierung.
Die Schweiz wünscht sich mehr Spielraum für den Ruhestand