Abonnieren Sie jetzt Penso und bleiben Sie auf dem Laufenden.
Mit 6 Printausgaben pro Jahr und dem vollen Zugriff auf alle Artikel auf penso.ch sind Sie stets gut informiert.
Mehrere Indikatoren weisen laut einer neuen Studie darauf hin, dass die Versicherungsbranche stärker vom Fachkräftemangel betroffen ist als die Gesamtwirtschaft. Gründe sind insbesondere die hohen Qualifikationsanforderungen, der demografische Wandel sowie das Beschäftigungswachstum der Branche.
Übersteigt die Nachfrage nach Arbeitskräften einer bestimmten Qualifikation das Angebot auf dem Arbeitsmarkt, spricht man von einem Fachkräftemangel. Überdurchschnittlich davon betroffen ist die Versicherungswirtschaft: Im untersuchten Zeitraum 2018–2020 weisen laut der Studie «Fachkräftesituation in der Versicherungswirtschaft» des wissenschaftlichen Instituts BSS in 30 von 38 Berufen verschiedene Indikatoren auf einen Fachkräftemangel hin. 73% der Erwerbstätigen der Branche arbeiten in einem Beruf mit Hinweis auf Fachkräftemangel. Besonders betroffen sind die Berufshauptgruppen «Führungskräfte», «Intellektuelle und wissenschaftliche Berufe» sowie «Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe».
In vielen Berufen der Versicherungsbranche ist laut der Studie bereits heute das Fachkräftepotenzial überdurchschnittlich ausgeschöpft. Das heisst, dass sowohl die Arbeitsmarktbeteiligung als auch der Beschäftigungsgrad im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bereits hoch sind. Heruntergebrochen auf die einzelnen Indikatoren zieht die Studie folgende Bilanz:
Der demografische Wandel verstärkt den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren zusätzlich. Gesamtwirtschaftlich betrachtet gehen in den Jahren 2023–2030 rund 18% der Beschäftigten in Pension. In der Versicherungsbranche trifft der demografische Wandel die Berufsgruppe «Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe», zu der auch Informatikerinnen und Informatiker gehören, am stärksten: Die Pensionierungsquote beträgt dort 32%. Über alle Berufsgruppen beträgt die Pensionierungsquote der Branche 16% und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt. Dennoch stellt die demografische Entwicklung der Schweizer Bevölkerung auch für die Versicherer eine der grössten Herausforderungen der nächsten Jahre dar.
Bei der demografischen Entwicklung setzen sogleich auch die Lösungsansätze an: Die Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmende sollen verbessert werden, sodass diese länger im Arbeitsprozess bleiben. Auch das unausgeschöpfte Fachkräftepotenzial der Frauen soll besser genutzt werden können. Auch hierfür sind attraktive Rahmenbedingungen erforderlich. Die Assekuranz will zudem in Aus- und Weiterbildung investieren und generell die Attraktivität der Branche und der Berufe erhöhen. Auf Ebene einzelner Unternehmen bedeutet dies vor allem neue Arbeits- und Führungsmodelle, neue Ansätze im Recruiting sowie die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Fachkräftemangel: Versicherungsbranche überdurchschnittlich betroffen