Ende Februar präsentierte das Institut fĂĽr Angewandte Psychologie IAP der ZHAW die vorläufigen Ergebnisse der neusten Studie 2024. Die Studienreihe «Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0» untersucht seit 2017 die aktuellen Veränderungen in der Arbeitswelt. Der Fokus dieser Studien liegt darauf, wie Menschen Veränderungen adaptieren. Im Jahr 2024 haben sich die Wissenschaftlerinnen mit den Auswirkungen der generativen KI in der Schweizer Arbeitswelt befasst. Die Online-Umfrage wurde im Herbst 2024 mit 426 Teilnehmenden durchgefĂĽhrt. 57% der Teilnehmenden nehmen FĂĽhrungsaufgaben wahr. 38% der Befragten arbeiten fĂĽr KMU, 62% fĂĽr Grossunternehmen. Die Umfrage untersuchte das Nutzungsverhalten, die individuelle, die Organisations- und Teamperspektive und schliesslich die Zukunftserwartungen derjenigen Studienteilnehmenden, die angaben, KI einzusetzen. Von dieser Gruppe der KI-Nutzenden haben 75% einen Fachhochschulabschluss. Dies sei ĂĽberdurchschnittlich, erläuterte Dr. Julia Kornfeind in ihrer Präsentation mit einem Ausblick auf die Studienergebnisse, die im April offiziell publiziert werden. Im Durchschnitt liege die Zahl der Berufstätigen mit Fachhochschulabschluss in der Schweiz normalerweise bei 30%. Dies gilt es bei der Betrachtung der Ergebnisse im Auge zu halten.  Â
NutzungsverhaltenÂ
Von den Befragten verwenden 38% generative KI hauptsächlich beruflich, 34% nutzen sie beruflich und privat gleichermassen. Ein Viertel der Befragten greift auf KI mehrmals täglich bei der Arbeit zurĂĽck, 32% mehrmals pro Woche und 26% mehrmals pro Monat. Unterschiede bei der Nutzungsintensität zeigen sich zwischen den Generationen: Generation Z nutzt generative KI deutlich häufiger als die Generation X. Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich diesbezĂĽglich nicht. Eingesetzt werden hauptsächlich kostenfreie Tools, gefolgt von KI-Anwendungen, die von den Arbeitgebenden bereitgestellt werden. Vor allem erledigen die Befragten Aufgaben wie Texterstellung, Ideenfindung und Recherche. Dabei sind sie mit den Ergebnissen ĂĽberwiegend zufrieden, wobei 79% angaben, dass sie die Ergebnisse auf Korrektheit und Qualität ĂĽberprĂĽfen. Deklariert werden Texte, die mithilfe einer KI generiert werden, von rund der Hälfte der Befragten. Â
Individuelle PerspektiveÂ
Die Einschätzung des eigenen Kompetenzniveaus beim KI-Einsatz gaben 50% der Befragten mit mittel an. 23% sehen sich in einem eindeutig positiveren Licht, wobei männliche Befragte ihre Kompetenz als höher einstufen, obwohl die Anwendungshäufigkeit bei Männern und Frauen identisch ist. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Selbstbeurteilung der eigenen Kompetenzen in technischen Themen deckt sich mit anderen Studien (lesen Sie dazu auch den Artikel «Werden Frauen bei KI zurĂĽckgelassen?»).Â
Die Forschenden wollten wissen, auf welche Fähigkeit es fĂĽr eine kompetente Nutzung von KI ankomme. Die Befragten sehen die Fähigkeit der Qualitätsbeurteilung als zentral an (73%), gefolgt von der Formulierung präziser Prompts (63%), dem Verständnis der Funktionsweise (53%) und dem Verständnis der Sicherheitsrisiken (50%). Diese Fähigkeiten erlernt haben 94% der Nutzenden durch Learning by Doing und Austausch mit anderen (59%). Betriebsinterne Lernangebote spielen kaum eine Rolle. Dies ist allerdings nicht untypisch fĂĽr Early Adopters und Menschen mit höheren BildungsabschlĂĽssen. Die Befragten schätzen, dass durchschnittlich 20% ihrer Arbeit bereits heute mit generativer KI erledigt werden könnte.Â
In weiteren Studienthemen berichten die Befragten von mehrheitlich positiven Emotionen bei der Nutzung und von leichten Verbesserungen ihrer Recherchefähigkeiten, bei der Arbeitsqualität und beim kritischen und kreativen Denken. Auch zeige sich bei Nutzung von generativer KI eine leichte Stressreduktion und eine Zunahme der Arbeitsmotivation. Bei der Stressreduktion gibt es deutliche Unterschiede zwischen den (nur) 24 Teilnehmenden in der Altersklasse 23-29 – hier geben 59% leichte und deutliche Verbesserungen an – im Vergleich zu den 157 Teilnehmenden in der Altersklasse 40-49 mit moderaten 27% positiver Einschätzung (siehe Grafik).Â
Generative KI bei der Arbeit - Status Schweiz