Laut einer Studie des Software-Anbieters GoTO haben in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits 42 Prozent der Beschäftigten KI-generierte Inhalte verwendet, obwohl sie deren Qualität anzweifelten oder Fehler vermuteten. In Unternehmen, in denen die KI-Nutzung in die Leistungsbeurteilung einfliesst, steigt dieser Wert sogar auf 59 Prozent.
Zeitgewinn mit Nebenwirkungen
Grundsätzlich wird KI am Arbeitsplatz positiv bewertet. 88 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die Technologie bereits geholfen habe. Durchschnittlich sparen sie nach eigener Einschätzung rund 1,5 Stunden pro Arbeitstag.
Die gewonnene Zeit kann allerdings schnell wieder verloren gehen. Laut Studie berichten 71 Prozent der Befragten, dass die Kontrolle und Korrektur von KI-generierten Arbeitsergebnissen von Kolleginnen und Kollegen zusätzlichen Aufwand verursacht. Mehr als die Hälfte sieht dadurch die eigene Produktivität beeinträchtigt.
Zudem kann die Qualität fragwürdiger KI-Inhalte Auswirkungen auf die Zusammenarbeit haben: Fehlerhafte Resultate lassen Zweifel an der Kompetenz von Teammitgliedern entstehen und können Spannungen innerhalb von Teams fördern.
KI ist zunehmend eine FĂĽhrungsfrage
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Herausforderungen beim KI-Einsatz weniger technischer als organisatorischer Natur sind. Entscheidend ist demnach nicht nur, ob Mitarbeitende KI nutzen, sondern unter welchen Rahmenbedingungen dies geschieht.
Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Produktivitätsziele mit Qualitätsansprüchen, Datensicherheit und klaren Verantwortlichkeiten in Einklang zu bringen. Experten empfehlen deshalb, den KI-Einsatz strategisch zu steuern und nicht allein über Nutzungsquoten zu bewerten.
FĂĽnf Empfehlungen fĂĽr den verantwortungsvollen KI-Einsatz:
- Bestehende Nutzung analysieren
Unternehmen sollten zunächst erfassen, welche KI-Tools bereits im Einsatz sind, für welche Aufgaben sie genutzt werden und welche Risiken dabei entstehen.
- Klare Leitplanken schaffen
Statt umfangreicher Verbotskataloge sind verständliche und praxisnahe Richtlinien gefragt, die Orientierung im Arbeitsalltag bieten.
- Sichere Alternativen bereitstellen
Wer Schatten-IT vermeiden will, sollte benutzerfreundliche und datenschutzkonforme KI-Lösungen zur Verfügung stellen.
- Verantwortung eindeutig regeln
FĂĽr KI-generierte Inhalte braucht es klare Freigabe- und Kontrollprozesse. Die letztliche Verantwortung muss immer bei Menschen liegen.
- Kompetenzen stärken
Mitarbeitende sollten lernen, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen, Quellen zu bewerten und mögliche Fehler oder Verzerrungen zu erkennen.
Qualität statt blosse Nutzung messen
Die Studie legt nahe, dass Unternehmen den Erfolg von KI-Projekten nicht primär an der Anzahl eingesetzter Tools oder generierter Inhalte messen sollten. Wichtiger sind Fragen wie: Werden Prozesse tatsächlich effizienter? Sinken Fehlerquoten? Werden Mitarbeitende spürbar entlastet?
Erst wenn klare Regeln, geeignete Werkzeuge und wirksame Qualitätskontrollen zusammenspielen, kann KI ihr Potenzial entfalten, ohne Vertrauen, Arbeitsqualität oder Compliance zu gefährden.
KI-Nutzung unter Druck: Wenn Effizienz auf Kosten der Qualität geht