Transformation ist für Unternehmen ein Balanceakt zwischen Exploitation, also dem Ausschöpfen des bereits erworbenen Wissens und vorhandener Erfahrungen, und der Exploration, worunter die Erkundung neuer Möglichkeiten verstanden wird. Dieses Ausbalancieren, das in der Fachliteratur als Ambidextrie bezeichnet wird, kann sich auf unterschiedliche Arten gestalten: Manche Unternehmen wechseln Phasen der Exploration und der Exploitation ab. Zeiten der Geschäftsmodellmodifikation in Start-ups beispielsweise können eine Phase der Exploration einleiten.
Eine komplette Trennung der Einheiten, in denen das Bestandsgeschäft fortgeführt wird, während in anderen neue Geschäftsmodelle oder Produkte entwickelt werden, wird als strukturelle Ambidextrie bezeichnet. In solchen Fällen ist davon auszugehen, dass für die Exploration andere Kompetenzen und Strukturen erforderlich sind, als dies im Bestandsgeschäft der Fall ist. Ein Beispiel hierfür ist die Medienbranche, in der ein erfolgreiches Digitalgeschäft in vielen Fällen durch Akquisition von sich eigenständig entwickelnden Digitalunternehmen etabliert werden konnte, die in der Folge als separate Organisation weitergeführt wurden. Zu unterschiedlich sind Mindset, Wissen, Marktperspektive in traditionell agierenden Verlagshäusern und in DotComs wie Homegate, Jobs.ch, AutoScout etc., die letztlich den Kleinanzeigenmarkt der gedruckten Zeitungen kannibalisiert haben.
Digital-Maturity-Modell zur Bestimmung von Einflussfaktoren
Dr. Kristina Schaaff, Professorin für digitale Transformation an der International University for Applied Sciences Erfurt, zeigte anhand des Digital-Maturity-Modells von Forrester Research die Einflussfaktoren für Transformationen auf. Das Modell sieht vier Komponenten vor.
Komponente Kultur: Die Unternehmenskultur prägt, wie geführt und gelernt wird und wie Kompetenzen erworben werden. Exploration könne in der Kultur verankert werden, so Schaaff, indem man Mitarbeitenden Eigenverantwortung ermögliche. Entmutigung der Mitarbeitenden aufgrund einer nicht ausreichend unterstützenden Unternehmenskultur sei ein häufiges Hindernis für Transformation. Wichtigste Erfolgsfaktoren seien eine transparente Kommunikation, substanzielles Feedback und vorbildhafte, kollaborative Führungskräfte.
Komponente Organisation: Flache Organisationen unterstützten Kollaboration, erklärte Schaaff. Die Organisation regle zudem, welche Ressourcen beispielsweise in Form von Geld oder Personal zur Verfügung gestellt werden. Eine klare Zuweisung von Ressourcen an Innovationsprojekte sei ein wichtiger Schlüssel, um Transformation voranzutreiben. Limitierte Ressourcen gehörten zu häufigen Hindernissen für Veränderungen.
Komponente Technologie: Technische Grundlagen für Transformationen müssen geschaffen bzw. erneuert werden. Ein häufig festzustellendes Risiko bestehe gemäss Schaaff darin, dass sich externe technologische Entwicklungen so schnell vollziehen, dass Unternehmen damit nicht mehr Schritt halten könnten.
Komponente Insights: Unternehmerische Initiativen basieren auf Annahmen, die aufgrund von Daten getroffen werden (sollten). Welche Daten intern und extern erhoben, ausgewertet und genutzt werden, präge Transformationen.
Neue Perspektiven für Transformation gewinnen