Frauen depressiv - Männer mit Alkoholproblem
Die Hauptdiagnosen für einen Eintritt in eine Klinik waren über die Gesamtbevölkerung gesehen affektive Störungen mit 32.8%, Substanzmissbrauch mit 20% (vor allem Alkohol mit 13.3%) und Schizophrenie oder wahnhafte Störungen mit 16.6%.
Die Störungen waren geschlechtsspezifisch ausgeprägt: 37.7% der Frauen litten unter Depressionen. Bei den Männern waren mit 27.7% der Substanzmissbrauch - besonders von Alkohol - und affektive Störungen mit ebenfalls 27.7% am häufigsten.
Insgesamt mussten 2020 gut 5700 Personen in eine psychiatrische Klinik. Pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern ergibt das eine Hospitalisierungsrate von 6.6 Personen. 7.5 waren es bei den Erwachsenen, 2.8 bei den Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren. Dabei stieg die Rate bei den Jüngeren um 6% gegenüber dem Vorjahr.
59 von 1000 in Behandlung
Insgesamt wurden im Berichtsjahr rund 520000 Patientinnen und Patienten in einer psychiatrisch-psychologischen Praxis behandelt. Das entspricht 59 von 1000 Versicherten. Nach Alter betrachtet waren 32 von 1000 Heranwachsenden unter 19 Jahren in Behandlung sowie 66 von 1000 Erwachsenen.
Das waren zwar weniger als 2019. Von 2012 bis 2019/20 stieg die Rate der Behandelten indessen um 26%. Bei unter 19-Jährigen betrug der Anstieg 40%, bei den Erwachsenen 25%.
Die Kosten der obligatorischen Krankenversicherung im Psychiatriebereich beliefen sich 2020 auf rund 2,2 Mrd. Franken. Das entspricht 6.4% der Kosten der Grundversicherung von 34.1 Milliarden Franken. Seit 2006 ist dieser Anteil relativ stabil.
Schwächere trifft es häufiger
Im Allgemeinen war die Gesamtbevölkerung 2020 durchaus glücklich und zufrieden. 77.4% fühlten sich in der entsprechenden Datenerhebung von Januar bis Juni 2020 wie in den Vorjahren meistens glücklich. Um Auswirkungen der Pandemie zu messen, greifen diese Daten allerdings zu kurz, wie das Obsan schrieb.
Studien lassen aber darauf schliessen, dass die Pandemie soziale und gesundheitliche Ungleichheiten verschärfte. So wurde bei bereits davon betroffenen Personen mit niedrigerem Einkommen und schlechterer Ausbildung eine Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens beobachtet. Auch Personen mit Vorerkrankungen fühlten sich schlechter. (sda)
Obsan-Bericht zur psychischen Gesundheit im Detail
Seit 2017 Verdoppelung des Anteils psychisch belasteter Jugendlicher