Im Jahr 2024 machten gesundheitsbedingte Absenzen rund zwei Drittel aller Arbeitsausfälle aus. Insgesamt gingen dadurch 407 Millionen Arbeitsstunden verloren. Vollzeitbeschäftigte fehlten durchschnittlich 8,5 Tage pro Jahr krankheits- oder unfallbedingt. Gegenüber 2010 entspricht dies einem Anstieg von mehr als einem Drittel.
Besonders hohe Absenzraten zeigen sich in körperlich belastenden Branchen wie Bau, Transport, Landwirtschaft sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Gleichzeitig verweist der Bericht darauf, dass neben physischen Belastungen auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Arbeitsverdichtung und mentale Erschöpfung eine wichtige Rolle spielen.
Krankentaggeldversicherung funktioniert weitgehend
Die Versicherungsabdeckung bleibt hoch. Über 85 Prozent der Unternehmen mit mindestens drei Mitarbeitenden verfügen über eine Krankentaggeldversicherung. Bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden liegt die Quote sogar bei über 90 Prozent.
Lediglich rund 0,5 Prozent aller Schweizer Unternehmen konnten keine Versicherung abschliessen. Betroffen sind vorwiegend Mikrounternehmen mit ein bis zwei Beschäftigten. Insgesamt betrifft dies lediglich 0,13 Prozent aller Arbeitnehmenden. Zudem verfügen viele nicht versicherte Unternehmen über eigene Lösungen zur Lohnfortzahlung.
Aus Sicht des Bundesrates rechtfertigen diese Zahlen keine Einführung eines Versicherungsobligatoriums. Stattdessen sollen punktuelle Verbesserungen im bestehenden System geprüft werden.
Prävention und Wiedereingliederung im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht den Möglichkeiten, Absenzen zu reduzieren. Die wissenschaftliche Evidenz für einzelne Massnahmen sei zwar teilweise begrenzt, dennoch werden verschiedene Ansätze als vielversprechend bezeichnet. Dazu gehören ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, die Reduktion psychosozialer Belastungen, Teilzeit-Krankschreibungen, Case Management und eine frühzeitige Rückkehr an den Arbeitsplatz.
Explizit erwähnt werden auch Vorschläge der Sozialpartner zur Förderung von Teilarbeitsfähigkeit. Dazu zählt das von Compasso entwickelte reWork-Profil, das Unternehmen dabei unterstützt, die verbleibende Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitenden systematisch zu erfassen und angepasste Arbeitsmöglichkeiten zu identifizieren. Ziel ist es, längere Absenzen zu vermeiden und die schrittweise Reintegration in den Betrieb zu erleichtern. Der Bundesrat sieht darin einen praxisnahen Ansatz für eine flexiblere und nachhaltigere Wiedereingliederung.
Datengrundlage verbessern
Ein zentrales Ergebnis des Berichts betrifft die Datenlage. Trotz der intensiven Diskussion über steigende Absenzen fehlen in vielen Bereichen belastbare Erkenntnisse über Ursachen und die Wirksamkeit konkreter Massnahmen. Der Bundesrat und die Sozialpartner sehen deshalb Potenzial für eine bessere Datenerhebung, unter anderem durch eine stärkere Differenzierung zwischen krankheits- und unfallbedingten Ausfällen.
Trotz Absenzen-Rekorde kein Handlungsbedarf beim Krankentaggeld