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Stress: 650000 Arbeitnehmende planen Stellenwechsel

Montag, 21. November 2022
Das grösste Thema in der Arbeitswelt ist der Stress. Laut der neusten Travailsuisse-Analyse will über eine halbe Million Angestellte deswegen die Stelle wechseln. Die Sorge um den Arbeitsplatz rückt angesichts der tiefen Arbeitslosigkeit und des Fachkräftemangels in den Hintergrund.

Zum achten Mal hat Travailsuisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, die Ergebnisse seines «Barometers Gute Arbeit» vorgestellt. Demnach hat der Anteil der Arbeitnehmenden, die sich gestresst fühlen, seit 2016 von knapp 38 auf 43% zugenommen. Jede und jeder Dritte zieht wegen der hohen Arbeitslast einen Stellenwechsel in Betracht.

Insbesondere körperliche Tätigkeiten oder zu starre Hierarchien wirken sich gemäss der Analyse negativ auf die Beurteilung der Qualität der Arbeitsbedingungen aus, besonders im Gesundheits- und Sozialwesen. Arbeitnehmende dieser Branchen beurteilen die Arbeitsbedingungen schlechter als in den übrigen Branchen.

Kaum mehr Sorgen um Stellenverlust

Insgesamt deuten die neusten Ergebnisse indes darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen besser bewertet wurden als in früheren Jahren. Seit Beginn der Barometer-Erhebungen noch nie so tief war etwa die Angst der Arbeitnehmenden vor einem Verlust der Stelle. Gerade einmal 11.2% machen sich diesbezüglich unmittelbar Sorgen. Ein rekordhoher Anteil von 52.1% der Angestellten macht sich keine Sorgen über einen Stellenverlust und 44.5% schätzen es als einfach ein, im Falle eines solchen rasch wieder eine vergleichbare Beschäftigung zu finden.

Fortschritte gibt es gemäss der neusten Analyse auch bei der Weiterbildung durch die Arbeitgeber. 54% der Beschäftigten profitieren davon, das sind 5.6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Allerdings hapert es in diesem Bereich bei vielen tiefer Qualifizierten und Teilzeitbeschäftigten weiterhin. Fast jeder und jede zweite Teilzeitarbeitende wird nicht oder kaum weitergebildet.

Nachholbedarf bei Lohngleichheit

Verbesserungspotenzial sehen die befragten Angestellten bei der Einhaltung der Lohngleichheit in den Unternehmen. Nur jeder vierte Angestellte in Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigen hat Informationen zur internen Lohnanalyse erhalten. Dazu sind diese Unternehmen laut Gleichstellungsgesetz seit Juli 2020 verpflichtet. In der generellen Beurteilung der Frage gibt es allerdings einen Geschlechtergraben: 68% der Männer erachten die Lohngleichheit in ihrem Unternehmen in hohem Masse als gegeben. Bei den Frauen liegt der entsprechende Anteil nur bei 54%.

Barometer Gute Arbeit

Das «Barometer Gute Arbeit» ist ein Kooperationsprojekt von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, und der Berner Fachhochschule. Seit 2015 beleuchtet das Barometer jährlich die Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und ihre Veränderungen, bewertet durch die Arbeitnehmenden selbst. Die Bewertung der Arbeitsbedingungen richtet sich dabei nach der Definition von guter Arbeit im Sinne von zukunftsfähiger Arbeit. Diese muss die Gesundheit der Arbeitnehmenden schützen, ihre Motivation erhalten und ihnen eine gewisse Sicherheit vermitteln.

Mehr zum «Barometer Gute Arbeit»

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