Die Erwerbsersatzordnung (EO) macht einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung. Im Verlauf des Jahres 2026 können Dienstleistende aus Jugend + Sport (J+S), Zivildienst, Zivilschutz und Armee ihre Anträge auf Erwerbsausfallentschädigung digital einreichen. Der Digitalisierungsschritt beschleunigt die Bearbeitungszeit der EO-Entschädigungen und erhöht die Qualität der Daten. Darüber hinaus bringt er Kosteneinsparungen für Ausgleichskassen und Arbeitgebende.
Neu erfolgt die Antragstellung für Dienstleistende nicht mehr über ein Papierformular, sondern online über ein «EO-Portal» der Zentralen Ausgleichsstelle (ZAS) mittels Behörden-Login AGOV. Der Prozess wird durch die jeweilige Dienstorganisation ausgelöst, welche die relevanten Daten an die ZAS übermittelt. Dienstleistende werden per E-Mail oder SMS zur Anmeldung aufgefordert.
Nach dem erstmaligen AGOV-Onboarding kann die Anmeldung auf der EO-Plattform in wenigen Minuten abgeschlossen werden. Bei künftigen Dienstperioden können die bereits erfassten Daten wiederverwendet werden, was den Prozess zusätzlich beschleunigt. Eine Anmeldung in Papierform bleibt für Dienstleistende weiterhin möglich.
Der Prozess wurde gemeinsam zwischen dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), der ZAS und Fachvertretern der Ausgleichskassen und deren IT-Lieferanten entwickelt. Die gesammelten Daten der ZAS können von den Ausgleichskassen strukturiert übernommen und direkt in ihren IT-Systemen weiterverarbeitet werden. Damit kann der Lohndatenaustausch mit den Arbeitgebern strukturiert und digital mit den Fachapplikationen der Ausgleichskassen abgewickelt werden.
Im Juni 2025 testete eine Kompanie der Armee im waadtländischen Aigle das EO-Portal. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen grossmehrheitlich positiv aus.
Automatisierungspotenzial im Lohndatenaustausch nutzen
Der elektronische Lohndatenaustausch zwischen den Ausgleichskassen und den Arbeitgebenden bietet mit rund 615000 EO-Anmeldungen pro Jahr ein hohes Automatisierungspotenzial. Der neue Swissdec EO-Standard bildet den gesamten Prozess digital und automatisiert ab:
- die Anfrage der Lohndaten durch die Ausgleichskasse
- die Übermittlung der Lohndaten durch den Arbeitgebenden
- die Rückmeldung der EO-Taggeldleistung durch die Ausgleichskasse
Mit dieser Lösung können die Aufwände der Arbeitgebenden für die Abwicklung der EO spürbar gesenkt werden. Voraussetzung dafür ist, dass der jeweilige ERP-Hersteller diesen neuen Swissdec-Standard bereits implementiert und zertifiziert hat. Arbeitgebende sollten rechtzeitig Kontakt mit ihren ERP-Herstellern aufnehmen und sicherstellen, dass die Umsetzung von EO-Swissdec zeitnah erfolgt.
J+S macht den Anfang
Die Einführung der digitalen Anmeldung erfolgt gestaffelt nach Dienstbereich. Den Auftakt macht Jugend + Sport im Februar 2026. Ab diesem Zeitpunkt können pro Monat rund 2000 Teilnehmende von J+S-Kaderkursen ihre Anträge über die EO-Plattform der ZAS einreichen.
Die anfängliche Fokussierung auf J+S ermöglicht eine schrittweise Einführung des neuen Prozesses, das Sammeln erster Erfahrungen und gegebenenfalls notwendige Optimierungen.
Ab Mitte 2026 ist die Ausweitung auf Zivildienstleistende vorgesehen. Im Herbst folgen voraussichtlich der Zivilschutz und Ende Dezember die Armee. Die Einführung zum Jahresende hat den Vorteil, dass in dieser Zeit nur wenige Dienstleistende im Einsatz stehen. Dadurch kann das Risiko von Doppelanmeldungen durch technische und organisatorische Massnahmen minimiert werden.
Über 600000 EO-Anmeldungen jährlich
Im Jahr 2024 wurden von den Dienststellen rund 615000 Anträge eingereicht, wobei über die Hälfte auf die Armee entfiel (siehe Grafik). An zweiter Stelle folgt der Zivilschutz mit rund 144000 Anmeldungen.
Die EO ersetzt Personen, die Militärdienst, Zivilschutz, Zivildienst leisten oder an einem Kaderkurs im Rahmen von J+S teilnehmen, einen Teil des Verdienstausfalls. Zudem entschädigt sie auch den Mutterschafts-, Vaterschafts-, Adoptions- und Betreuungsurlaub (siehe Artikel Gubser). Auch in diesen EO-Bereichen ist in einem nächsten Schritt die digitale Anmeldung geplant.
Dieser Text ist in ähnlicher Form bereits auf sozialesicherheit.ch erschienen.
Take Aways
- Dienstleistende stellen ihre EO-Anträge künftig über das neue EO-Portal mit Behörden-Login (AGOV).
- Die Daten werden verschlüsselt übermittelt und können von den Ausgleichskassen direkt weiterverarbeitet werden.
- Mit dem EO-Swissdec-Standard können Arbeitgeber den Lohndatenaustausch mit den Ausgleichskassen automatisieren.
- Arbeitgebende sollten rechtzeitig Kontakt mit ihren ERP-Herstellern aufnehmen und sicherstellen, dass die Umsetzung von EO-Swissdec zeitnah erfolgt.
- Die Einführung beginnt im Februar 2026 mit J+S und wird bis Ende des Jahres auf Zivildienst, Zivilschutz und Armee ausgeweitet.