Ist die Gesellschaft bald pleite?
Selber Verantwortung übernehmen? Gar noch eine Rücklage für schwierige Zeiten machen? Das ist nicht mehr en vogue.
Die Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto wird 2026 erstmals mit der Sichtweise der Versicherten in der beruflichen Vorsorge ergänzt: Im Auftrag der Zürcher Kantonalbank hat das Forschungsinstitut gfs.bern im März eine repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung durchgeführt, um den Trend zum Kapitalbezug zu ergründen. Die Neurentenstatistik des Bunds weist schon seit Jahren in diese Richtung. Die Befragung bestätigt, dass das Kapital heute die beliebtere Option ist: 36% der über 58-jährigen Versicherten haben einen vollständigen oder teilweisen Kapitalbezug vorgenommen. Dagegen haben sich 35% für die Rente entschieden und der Rest hat bisher noch keine Leistungen bezogen.
Bei der Entscheidung für das Kapital stehen für die Versicherten vier Überlegungen im Vordergrund:
In der Diskussion um den Trend zum Kapitalbezug werden häufig auch die sinkenden Umwandlungssätze – und die daraus resultierenden tieferen Rentenleistungen – als Treiber der Entwicklung angeführt. Die Schweizer Pensionskassenstudie hat diese Hypothese jedoch bereits 2025 entkräftigt. So verzeichnen Pensionskassen mit tiefen Umwandlungsätzen nicht signifikant mehr Kapitalbezüge als solche mit höheren Sätzen.
Die Befragung der Versicherten bestätigt diesen Befund: Lediglich 17% entscheiden sich wegen des tiefen Umwandlungssatzes für das Kapital. Auch mangelndes Vertrauen der Versicherten ins Vorsorgesystem wird oft als mögliches Motiv genannt, doch wie die Befragung zeigt, ist dies keineswegs der Fall – nur 3% wählen aus Misstrauen gegenüber der Pensionskasse das Kapital. «Die Umfrage zeugt von einem hohen Vertrauen in die berufliche Vorsorge. Zu Recht geniesst das Schweizer Vorsorgesystem sowohl national als auch international ein hohes Ansehen», sagt Heini Dändliker, Leiter Grossfirmen / Firmenkunden Markt Schweiz der Zürcher Kantonalbank.
Aufgrund der Risiken, die mit dem Kapitalbezug verbunden sind, wird der Trend weg vom Rentenbezug die öffentliche Diskussion stärker prägen. Die Umfrage zeigt jedoch, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung die Herausforderungen kennt: 82% sind sich bewusst, dass ein Kapitalbezug ein gewisses Finanzwissen erfordert und drei Viertel wissen um die Risiken der Kapitalmärkte und das Langlebigkeitsrisiko. Die Mehrheit der Kapitalbeziehenden trifft deshalb Vorkehrungen oder plant diese, etwa durch langfristige Finanzplanung oder professionelle Beratung.
Auch wenn die Stolpersteine beim Kapitalbezug den meisten bekannt sind, setzt sich nur eine Minderheit mit den Leistungsparametern in der beruflichen Vorsorge auseinander: Lediglich 32% kennen den Umwandlungssatz der eigenen Pensionskasse, obwohl dieser die Höhe der Altersrente bestimmt und deshalb in die Beantwortung der Frage «Rente oder Kapital?» einfliessen sollte. Das unterstreicht wiederum die geringe Bedeutung des Umwandlungssatzes als Motiv für den Kapitalbezug. Noch weniger kennen die aktuelle Verzinsung: Nur 31% wissen, wie ihr Altersguthaben im Jahr 2025 verzinst wurde.
Auch mit Blick auf die Kosten der beruflichen Vorsorge zeigen sich blinde Flecken: 55% der Versicherten gehen davon aus, dass die Vermögensverwaltungskosten bei einer Pensionskasse pro Kopf höher sind als die Kosten einer eigenen Geldanlage. Laut Iwan Deplazes, Leiter Asset Management der Zürcher Kantonalbank, sieht die Realität jedoch anders aus: «Pensionskassen profitieren von Skaleneffekten und standardisierten Prozessen. Damit können sie das Vorsorgevermögen in der Regel kostengünstiger bewirtschaften als Privatpersonen.»
Trotz dieser Fehleinschätzung ist das Vertrauen in die Anlagekompetenz der Pensionskassen gross. Nur 17% begründen den Kapitalbezug damit, dass sie selbst höhere Renditen erwirtschaften können als ihre Pensionskasse. Umgekehrt entscheiden sich viele für die Rente, gerade weil sie sich im Alter nicht mit Geldanlagen beschäftigen möchten (42%) oder über zu wenig Finanzwissen verfügen (20%).
Selber Verantwortung übernehmen? Gar noch eine Rücklage für schwierige Zeiten machen? Das ist nicht mehr en vogue.
Die Krankenkassen dürften gemäss Comparis-Prognosen im Jahr 2023 ihre Prämien durchschnittlich um 5% anheben. Für diesen Prämienschock sei der politisch angeordnete Abbau ihrer Reserven verantwortlich.
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