Kalte Luft verursacht keine Erkältung

Montag, 29. Juni 2026
Draussen 35 Grad, drinnen angenehm kühl - und am nächsten Morgen kratzt der Hals. Für viele ist der Fall klar: Die Klimaanlage ist schuld. Doch stimmt das wirklich?

Die kurze Antwort lautet: Nein - zumindest nicht direkt. Der kalte Luftstrom einer Klimaanlage kann weder eine Erkältung noch eine Grippe oder Lungenentzündung auslösen. Für eine Infektion braucht es Erreger - also Viren, Bakterien oder Pilze.

Dass Kälte und Zugluft keine Erkältung verursachen, haben Forschende der Common Cold Unit in Salisbury (Grossbritannien) bereits in den 1950er-Jahren festgestellt. In mehreren Experimenten infizierten sie Freiwillige gezielt mit Erkältungsviren und verglichen sie mit Kontrollgruppen ohne Infekt. Einige der Teilnehmenden wurden zusätzlich Zugluft ausgesetzt oder mussten mit nassen Socken in der Kälte sitzen. Das Ergebnis: Erkältungssymptome entwickelten nur diejenigen, die tatsächlich mit einem Virus infiziert worden waren nicht aber die Personen, die lediglich froren.

Verschiedene Faktoren führen zu Beschwerden

So einfach ist es dann doch nicht. Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen sich nach dem Aufenthalt in klimatisierten Gebäuden häufiger unwohl fühlen. Eine Studie aus Brasilien fand 2005 beispielsweise mehr Atemwegsbeschwerden bei Büroangestellten in klimatisierten Räumen. Eine indische Studie von 2023 kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Menschen, die täglich mehrere Stunden in klimatisierten Büros arbeiteten, klagten häufiger über Kopfschmerzen, gereizte Atemwege und andere Beschwerden, hatten mehr krankheitsbedingte Fehltage und teils schlechtere Lungenfunktionswerte.

Dieses Phänomen nennen Forschende Sick-Building-Syndrom. Gemeint sind Beschwerden, die gehäuft in einem bestimmten Gebäude auftreten und nach dem Verlassen meist wieder nachlassen. Schuld ist aber nicht die Kühlung der Klimaanlage an sich. Fachleute gehen heute davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen: zu wenig Frischluft, trockene Raumluft, chemische Ausdünstungen aus Möbeln oder Teppichen, Staub - oder eine schlecht gewartete Lüftungs- beziehungsweise Klimaanlage.

Trockene Luft beeinträchtigt Schleimhäute

Sie sind zumindest das grösste Risiko. Problematisch wird es, wenn Filter verschmutzt sind oder sich in wasserführenden Bauteilen Feuchtigkeit sammelt. Dann können sich Bakterien oder Schimmelpilze vermehren. Aber: Auch eine gut gewartete Klimaanlage kann Beschwerden auslösen. Beim Kühlen entzieht eine Klimaanlage der Raumluft Feuchtigkeit. Die trockene Luft entzieht wiederum den Schleimhäuten in Nase, Rachen und Augen Wasser. Dadurch werden sie gereizt und verlieren einen Teil ihrer natürlichen Schutzfunktion. Sie fangen Krankheitserreger und Partikel zwar weiterhin ab, transportieren sie aber weniger effizient aus den Atemwegen. Das kann Halskratzen, Hustenreiz oder trockene Augen verursachen - Beschwerden, die sich wie eine beginnende Erkältung anfühlen, meist aber wieder verschwinden. (sda)

Artikel teilen


Dossiers

Zum Fokus

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Folgen sie uns auf