Unternehmen sehen Potenzial für längeres Arbeiten

Montag, 22. Juni 2026
Ältere Mitarbeitende sind für die Unternehmen von hohem Wert. Gleichzeitig prägt das Referenzalter stark die betriebliche Praxis. Das geht aus einer Studie hervor, die im Auftrag von focus50plus erstellt wurde. Dabei wird das Referenzalter 67 Jahre tendenziell positiv bewertet. Die Studie zeigt aber auch: Die Arbeitgeber müssen die Beschäftigungsfähigkeit der Älteren aktiver fördern und die Personalbindung ihrer Arbeitskräfte 60plus stärken.

Der Generationenvertrag steht zusehends vor grossen Herausforderungen. Seit 2020 treten in der Schweiz mehr Personen aus dem Erwerbsleben aus, als neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Gemäss Analysen der Schweizerischen Nationalbank könnte in der Schweiz in den nächsten 10 Jahren eine Lücke von rund 400000 Arbeitskräften entstehen, weil deutlich mehr Personen in Pension gehen als neu in den Arbeitsmarkt eintreten.

Eines der grösseren Arbeitskräftepotenziale zur Linderung dieses Mangels liegt bei den Arbeitskräften 60plus – wenn es gelingt, dieses Potenzial noch besser zu nutzen. Wie das gelingen kann, hat die Organisation focus50plus – eine Organisation unter dem Patronat des Schweizerischen Arbeitgeberverbands und des Schweizerischen Gewerbeverbands – in einer Arbeitskräfte 60plus im Fokus der Unternehmen untersucht. Die Organisation hat dazu 500 Führungskräfte und HR-Verantwortliche aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrössen befragt.

Unternehmen profitieren vom Know-how und der Verlässlichkeit älterer Mitarbeitender

Die Befragung zeigt: Arbeitgebende messen den Stärken ihrer Mitarbeitenden 60plus einen hohen Wert bei. Besonders geschätzt werden:

  • Langjährige Erfahrung und Know-how – 82% klare Zustimmung
  • Verantwortungsbewusstsein und Loyalität – 67%
  • Fachkompetenz – 66%
  • Kenntnisse der Unternehmenskultur – 61%
  • Netzwerke zu Kunden und Partnern – 56%

Werden die Antworten «trifft eher zu» hinzugerechnet, liegen die Zustimmungswerte bei allen genannten Qualitäten bei rund 90% oder höher.​

Das Referenzalter wirkt als Norm – ein höheres Referenzalter wird tendenziell positiv beurteilt

Die Pensionierung erfolgt in der grossen Mehrheit der Unternehmen zum Referenzalter: 82% geben an, dass dies überwiegend der Fall ist. Frühpensionierungen sind dabei etwas häufiger als Pensionierungen über das Referenzalter hinaus. 19% der befragten Arbeitgeber sind der Ansicht, dass das heutige Referenzalter zu früh angesetzt ist, um die Erwerbstätigkeit vollständig zu beenden. Für 63% ist es momentan angemessen, für 18% ist es zu spät.

Die Antworten auf das hypothetische Referenzalter 67 zeigen, dass die Unternehmen eine Verlängerung des Arbeitens bis 67 tendenziell positiv beurteilen – sowohl für sich selbst als auch für die Mitarbeitenden. Da die Zustimmung noch eher verhalten ausfällt, sollten die erforderlichen Massnahmen und Praktiken zunächst von den Betrieben erprobt und entsprechende Erfahrungen gesammelt werden. Dazu sollte das Szenario «Arbeiten bis 67» in den Betrieben aktiv getestet werden.

Arbeitgeber engagieren sich – müssen aber noch mehr tun

Die Unternehmen leisten bereits einiges für ihre älteren Mitarbeitenden. Besonders verbreitet sind eine Kultur der Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden jeglichen Alters (67 geben an, dass dies klar zutrifft), flexible Arbeitszeitmodelle (bei 60% der befragten Unternehmen) und generationenübergreifende Zusammenarbeit (44%). Deutlich grösserer Verbesserungsbedarf besteht hingegen bei der gezielten Förderung der Weiterarbeit (wie Angebote zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit oder individuelle Planung der Pensionierung) sowie bei der gezielten Einstellung von Arbeitskräften über 60 Jahren.

Die Studie kommt deshalb zum Schluss: Die Unternehmen sollten die Beschäftigungsfähigkeit und die Personalbindung ihrer Arbeitskräfte 60plus aktiver fördern – durch gezielte Weiterbildung, Anpassung von Aufgaben und Rollen, Gesundheitsförderung sowie eine systematische, individuelle Pensionierungsplanung.

Empfehlungen an Arbeitgebende und Politik

Die Studie formuliert Empfehlungen an Arbeitgebende und Politik. An die Arbeitgeberinnen etwa, dass die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden 60plus aktiv gefördert und das Szenario «Arbeiten bis 67» betriebsintern aktiv getestet werden soll.

An die Politik richtet die Studie ebenfalls Erwartungen. So etwa jene, dass finanzielle Anreize für Unternehmen zur Beschäftigung von Arbeitskräften 60plus und für Erwerbstätige verbessert werden sollten. Dazu gehören etwa Steuererleichterungen für Erwerbstätige nach dem Referenzalter oder eine weitere Flexibilisierung des Rentensystems – einschliesslich der Möglichkeit, nach erfolgter Pensionierung wieder ins Erwerbsleben und ins Rentensystem einzusteigen. Anstelle von Steuererleichterungen für Unternehmen könnten die Lohnnebenkosten reduziert werden. Gemäss Studienverfasser wäre dies vermutlich einfacher zu realisieren, hätte aber einen vergleichbaren Effekt. 

Artikel teilen


Dossiers

Zum Fokus

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Folgen sie uns auf