Kolumne: Pflege als Geschäftsmodell
Die Schweiz verlagert ihre Fürsorge auf Anbieter mit Businessplänen. Ein stiller Systemwechsel: von solidarischer Pflege zu Pflegeökonomie.
Die Schweiz verlagert ihre Fürsorge auf Anbieter mit Businessplänen. Ein stiller Systemwechsel: von solidarischer Pflege zu Pflegeökonomie.
Die Gesundheitskonferenz Kanton Zürich (GeKoZH) hat in einer Analyse von Kostendaten von privaten Spitex-Firmen ohne kommunalen Leistungsauftrag Missstände festgestellt. In einer Stellungnahme wehren sich die privaten Spitex-Organisationen und beklagen die auf 1. Januar 2026 reduzierten Beiträge der öffentlichen Hand.
Die Umsetzung der von Volk und Ständen angenommenen Pflegeinitiative ist umstritten. Eine bürgerliche Mehrheit der zuständigen Nationalratskommission will aus Kostengründen auf mehrere geplante Massnahmen verzichten.
Pflegen Privatpersonen ihre Familienmitglieder, sollen ihre Leistungen nur in Ausnahmefällen und mit klaren Qualitätsvorgaben von der Krankenkasse bezahlt werden. Das fordert nach dem Nationalrat nun auch der Ständerat.
Bezügerinnen und Bezüger von Ergänzungsleistungen, die zeitweise im Heim oder Spital und zu Hause leben, haben ebenfalls Anspruch auf die vom Parlament im Sommer beschlossenen Leistungen für Hilfe und Pflege zu Hause. Die Leistungen werden in Form einer Pauschale vergütet, die anteilsmässig zur zu Hause verbrachten Zeit berechnet wird.
Der Kanton Bern führt kommendes Jahr neue Tarife für die Entschädigung von pflegenden Angehörigen ein. Damit will der Regierungsrat finanzielle Fehlanreize für Spitex-Organisationen reduzieren.
Die Zürcher Gesundheitsdirektion hat strengere Regeln für Spitex-Organisationen erlassen, die pflegende Angehörige beschäftigen. Künftig sollen solche Spitex-Organisationen auch diplomierte Pflegende beschäftigen müssen. Zudem wird der Beitrag der Gemeinden gesenkt.
Eine kürzere Höchstarbeitszeit pro Woche, besser vorhersehbare Dienste und Verhandlungen über Gesamtarbeitsverträge: Über die Vorschriften, mit denen der Bundesrat die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern will, kann nun das Parlament entscheiden. Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseits herrscht keine Begeisterung.
Die Zürcher Spitäler haben sich darauf geeinigt, ab Sommer keine Temporärarbeitende mehr zu beschäftigen. Der Arbeitgeberverband swissstaffing sieht in dieser Absprache einen Verstoss gegen das Kartellrecht und hat Anzeige erstattet.
Durch die Förderung von Gesundheitszentren und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für Ärztinnen, Pflegefachpersonen und Apotheker soll die medizinische Grundversorgung auch künftig gewährleistet sein. 2026 soll ein Massnahmenpaket dazu verabschiedet werden.
Die Pflege von Angehörigen wirkt sich langfristig negativ auf das Wohlbefinden der Pflegenden aus. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Zürich (UZH), die Daten von 28663 pflegenden Angehörigen in den Niederlanden, Deutschland und Australien analysierte.
Gemäss der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich dürften die Schweizer Gesundheitsausgaben 2025 auf über 100 Mrd. Franken steigen. In diesem Jahr nehmen die Ausgaben wohl um über 4% zu.
Europa muss seine Anstrengungen zur Förderung einer gesunden Alterung der Bevölkerung verstärken. Dies werde helfen, Schwierigkeiten wie den Mangel an Pflegekräften besser zu bewältigen, heisst es im OECD-Jahresbericht über die Gesundheit in der Europäischen Union und den assoziierten Ländern.
Parteien und Interessengruppen begrüssen mehrheitlich den vom Bundesrat vorgeschlagenen Entwurf zur Umsetzung der zweiten Etappe der Pflegeinitiative. Allerdings fordern sie Nachbesserungen. Die Spitäler lehnen den Gesetzesentwurf rundweg ab.
Die Spitex will ihr Image aufpolieren und Pflegekräfte gewinnen. Angesprochen werden sollen Neu- und Quereinsteiger.
Rund 300 Mitarbeitende des St. Galler Kantonsspitals haben am Montagnachmittag mit einer ersten Protestaktion auf den angekündigten Abbau von 440 Stellen reagiert. Auf den 11. November ist eine Kundgebung in St. Gallen angekündigt.
Die Bewohner des Pflegezentrums Embrach im Kanton Zürich werden seit Juni 2022 im Rahmen eines Pilotprojektes vom Pflegeroboter Lio assistiert. Dort übt er zwar viel Faszination aus, eine Hilfe ist er aber erst bedingt.
Die Gesundheitsdirektorenkonferenz und die Sozialpartner in der Pflege haben sich auf Grundsätze zur Umsetzung der Pflegeinitiative geeinigt. Dazu gehören neben der Ausbildungsoffensive auch Lohnmassnahmen, Teuerungsausgleich, Kinderbetreuung und ausreichend Personal.
Mit grosser Mehrheit spricht sich die zuständige Nationalratskommission wie der Ständerat für eine rasche Umsetzung der Ausbildungsoffensive im Bereich der Pflege aus. Pflegefachpersonen sollen zudem bestimme Leistungen direkt ohne ärztliche Anordnung abrechnen können.
Im Gesundheitswesen im Kanton Luzern werden keine repetitiven und flächendeckenden Arbeitszeitkontrollen eingeführt. Der Kantonsrat hat es abgelehnt, ein entsprechendes Postulat vollständig zu überweisen. Auch eine GAV-Pflicht lehnte er ab.
Jeden Monat geben rund 300 Pflegefachpersonen nach Angaben ihres Verbandes den Beruf auf. Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege fordert der Berufsverband sofortige Massnahmen, um diesen Rückgang zu stoppen.
Der Regierungsrat des Kantons Bern soll einen Bericht zum Thema Pflegenotstand prüfen und Massnahmen ableiten. Der Grosse Rat hat einem entsprechenden Vorstoss aus den Reihen der SP in der abgeschwächten Form eines Postulats zugestimmt.
Ein drohender Massenexodus von Pflegefachpersonen war das zentrale Thema des «Internationalen Tages der Pflege». Auch in der Schweiz müssten sich die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals verbessern, soll sich der Personalmangel nicht noch beschleunigen.
Schweizer Alters- und Pflegeheime haben bereits vor der Corona-Krise einen Mangel an gut ausgebildetem Fachpersonal beklagt. Dies ergab eine breit angelegte Umfrage des Fachbereichs für Pflegewissenschaft der Universität Basel in den Jahren 2018 und 2019.
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