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Corona-Krise belastet Arbeitsbedingungen und Einkommen

Sonntag, 13. Dezember 2020
Die Arbeitnehmenden in der Schweiz sind sehr unterschiedlich von der Corona-Krise getroffen worden. Das zeigt die Corona-Spezialbefragung des «Barometer Gute Arbeit».

Der Lockdown hat die Situation für die Arbeitnehmenden auf sehr unterschiedliche Art und Weise verändert – das zeigen die Ergebnisse der Corona-Spezialbefragung im Rahmen des «Barometer Gute Arbeit». 

Arbeitsbelastung und Betreuungspflichten haben sich individuell verändert

Die Arbeitsbelastung hat sich in den Branchen sehr unterschiedlich entwickelt: Im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, dem Detailhandel und der öffentlichen Verwaltung berichtet ein grosser Teil der Arbeitnehmenden über eine grössere Arbeitsbelastung. Für Familienhaushalte wiederum war das angeordnete Homeoffice in Kombination mit Kinderbetreuung und Homeschooling aufgrund der Schliessung von Schulen und Betreuungsmöglichkeiten die Quelle der eigentlichen Überlastung. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmenden - Frauen deutlich ausgeprägter als Männer - war während des Lockdown mit erhöhten Betreuungspflichten konfrontiert.

Arbeitgeber: Nur teilweise finanzielles und entlastendes Entgegenkommen

Trotz ausserordentlicher Lage und erhöhten Betreuungspflichten konnten sich die Arbeitnehmenden nur teilweise auf ihre Arbeitgeber verlassen. Nur rund jedem Vierten ist der Arbeitgeber mit einer Entlastung entgegengekommen. Auch die staatlichen Massnahmen haben die Situation für Familienhaushalte kaum verbessert. Zwar wurde eine spezifische Corona-EO ins Leben gerufen, sie wurde allerdings so ausgestaltet, dass lediglich 4.3% der Betroffenen in den Genuss eines Erwerbsersatzes kamen. Besonders wenig Entgegenkommen gab es in den Dienstleistungs-Branchen, in der Informations- und Kommunikationsbranche, im Gastgewerbe, im Bildungs- und Gesundheitswesen und im Detailhandel. Etwas besser sieht es beim finanziellen Entgegenkommen aus. Während der Coronakrise wurde das Instrument der Kurzarbeit in einem nie dagewesenen Ausmass eingesetzt, um vorschnelle Entlassungen zu verhindern und Arbeitsplätze zu sichern – ein sprunghaftes Ansteigen der Arbeitslosenzahlen konnte so bisher verhindert werden. Die Corona-Spezialbefragung des «Barometer Gute Arbeit» zeigt, dass rund die Hälfte der Arbeitgeber den Arbeitnehmenden in Kurzarbeit weiterhin den vollen Lohn ausbezahlt hat. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass beinahe die Hälfte der Arbeitnehmenden in Kurzarbeit mit einer Lohnkürzung konfrontiert war: Sie haben von ihren Arbeitgebern kein finanzielles Entgegenkommen erhalten und verfügten damit nur noch über 80 Prozent ihres bisherigen Lohns.

Homeoffice kann nur mit klaren Regeln funktionieren

Während des Lockdown hat rund die Hälfte der Arbeitnehmenden im Homeoffice gearbeitet – davon je eine Hälfte teilweise und eine Hälfte vollständig. Der Wegfall des Arbeitsweges, der Schutz vor einer Corona-Infektion, mehr Selbstbestimmung bei der Arbeit und mehr Ruhe am Arbeitsplatz werden von den Arbeitnehmenden als positivste Auswirkungen des Homeoffice erlebt. Kritisch werden die fehlenden sozialen Kontakte, eine mangelhafte Ergonomie, die ständige Erreichbarkeit und Mehrarbeit sowie zunehmende Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eingeschätzt. «Nur mit klaren Regeln kann Homeoffice für beide Seiten eine gewinnbringende Alternative zum Präsenzarbeitsplatz sein», sagt Mitautor des Barometers Gabriel Fischer. Freiwilligkeit und eine klare Begrenzung, keine Kombination mit anderen Tätigkeiten (insbesondere mit Kinderbetreuung), die Sicherstellung des Gesundheitsschutzes, eine Entschädigung an die Arbeitnehmenden und eine faire Aufteilung allfälliger Einsparungen oder Produktivitätsfortschritte sind die zentralen Fragstellungen.

Im Fokus Arbeitsrecht & Pandemie beleuchtet Penso die Rechte und Pflichten von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden während der Coronakrise. Im Fokus Homeoffice: Aufbruch oder Stresstest? zeigt Penso Chancen und Risiken der Arbeit zuhause. 

Der «Barometer Gute Arbeit» ist ein Kooperationsprojekt von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, und der Berner Fachhochschule und bewertet seit 2015 repräsentative Ergebnisse zur Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und deren Veränderungen. (gg)

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