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Berufskrankheit Ekzem

Donnerstag, 09. September 2021 - Dr. med. Hanspeter Rast
Berufliche Hautkrankheiten gehören in der Schweiz zu den häufigsten Berufskrankheiten – wobei von einer hohen Dunkelziffer unter anderem aus Angst vor Arbeitsplatzverlust auszugehen ist. Das Präventionspotenzial wird jedoch als hoch eingeschätzt. Ein Überblick über Krankheitsbilder, Gefahren- und Informationsquellen sowie Hinweise zum Vorgehen zur Meldung der Berufskrankheit bei der zuständigen Versicherung.

Mit rund 15% Anteil an den rund 2400 anerkannten Berufskrankheiten (2018) lagen Hautkrankheiten in den letzten Jahren nach der Hörschädigung durch Lärm an zweiter Stelle. Dabei sind die in den Statistiken zu Berufskrankheiten erfassten Fälle meist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Viele Patienten mit beruflichen Hautkrankheiten melden ihre Hautprobleme nicht als Berufskrankheit an. Manchmal werden die Zusammenhänge auch nicht erkannt, selbst wenn sich die Betroffenen in ärztliche Behandlung begeben. Nicht zu unterschätzen ist auch die Befürchtung eines Arbeitsplatzverlusts, wenn das Hautproblem im Betrieb bekannt würde. Im Unterschied zu anderen Typen von Berufskrankheiten gehen Hautkrankheiten in der Regel nicht auf Schädigungen vor langer Zeit zurück, sondern haben einen Bezug zu den aktuellen Arbeitsplatzverhältnissen. Deshalb besteht auch grosses Potenzial für präventive Massnahmen.

Kontaktekzeme aufgrund beruflicher und nichtberuflicher Ursachen gehören zu den häufigsten Diagnosen überhaupt. Berufliche Kontaktekzeme sind klar die häufigste Diagnose unter den Berufskrankheiten der Haut. Sie betreffen sehr häufig die Hände und Vorderarme und führen auch häufiger als andere Diagnosen dazu, dass die berufliche Tätigkeit angepasst oder gewechselt werden muss.

Verschiedene Formen von Handekzemen

Bei den Handekzemen wird grundsätzlich zwischen akuter und chronischer Verlaufsform sowie exogenen und endogenen Ursachen (z.B. durch Veranlagung) unterschieden. Die häufigsten vorwiegend endogen verursachten Handekzeme sind das atopische (auch als Neurodermitis bekannt) und das dyshidrotische Ekzem, das durch häufige Bläschenschübe an den Händen charakterisiert ist. Ein atopisches Ekzem lässt sich in vielen Fällen auch an anderen Körperlokalisationen finden. Bei den exogen verursachten Formen lassen sich eine allergische und irritative Verursachung unterscheiden. Bei vielen chronischen Handekzemen ist eine Überlagerung mehrerer ursächlicher Faktoren nachweisbar oder anzunehmen. Dabei ist die exakte Abgrenzung der verschiedenen Faktoren, selbst im Rahmen einer Begutachtung, oft schwierig.

Im Arbeitsalltag kommt insbesondere das irritative Kontaktekzem häufig vor (Synonym toxisches Kontaktekzem; die Begriffe werden sehr oft als Synonyme oder auch in Kombination gebraucht). Dabei entsteht durch eine äusserliche Reizung eine Hautentzündung. Während ein akutes irritatives Ekzem schon nach einmaliger Einwirkung einer aggressiven Substanz auftreten kann, entwickeln sich die chronisch irritativen Kontaktekzeme erst nach längerer/wiederholter Einwirkung von schwach hautreizenden Stoffen/Faktoren in Kombination. Bei der akuten Form stehen die starke Rötung, ein Nässen der Haut und Brennen im Vordergrund, bei der chronischen Form die Hauttrockenheit, Schuppung und Hautverdickung mit Rissbildung.

Die chronische Ekzemform erfordert bei der Abklärung oft detektivisches Vorgehen, um zusammen mit der Patientin oder dem Patienten die Ursachenkette zu erkennen und zu unterbrechen. Dazu gehören Einwirkungen wie andauernde oder sich rasch wiederholende Feuchtarbeit, mechanische Schädigung, permanente Hautverschmutzung und sehr häufiges, intensives Händewaschen. Ein bekannter Risikofaktor für das Entstehen von irritativen Ekzemen ist ferner die Veranlagung zu atopischem Ekzem. Unter Schutzhandschuhen kann die Haut aufquellen, sodass das lange Tragen von luftdichten Schutzhandschuhen über ganze Schichtlängen die Hautbarriere ebenfalls beeinträchtigen kann.

Die allergische Kontaktdermatitis ist eher seltener als die irritative Form. Dennoch entsprechen die allergischen Hautschadenfälle in der Berufskrankheitenstatistik zahlenmässig in etwa den als «irritativ» verursachten. Dies ist vermutlich erklärbar durch die bessere Identifikation der schädigenden Stoffe und im Einzelfall durch den Zwang, bei nachgewiesener Allergie bestimmte Tätigkeiten zu vermeiden. Die allergischen Kontaktekzeme manifestieren sich nach Beginn des Kontakts mit sensibilisierenden Arbeitsstoffen sehr unterschiedlich schnell: nach Wochen, Monaten oder auch erst Jahren. Starker Juckreiz, Bläschenbildung und oft auch Nässen der Haut sind charakteristisch. Bei einer wiederholten Exposition gegenüber dem Allergen tritt jeweils rasch ein neuer Ekzemschub auf. Bei längerer respektive wiederholter Exposition gegenüber dem Allergen kann sich mit der Zeit auch ein eigengesetzlicher Ekzemverlauf einstellen, wobei Ekzemschübe auch ohne äusserliche Verursachung auftreten.

Risikofaktoren für die Entwicklung eines chronisch irritativen Handekzems

  • Ungeschützte Nass- und Feuchtarbeit
  • Sehr häufiges Händewaschen und Desinfizieren der Hände Starke Hautverschmutzung mit intensiver Handreinigung
  • Veranlagung zu atopischem Ekzem
  • Langes und häufiges Tragen von luftdichten Schutzhandschuhen

Ursachen von Berufsekzemen

Sowohl für die irritativen als auch die allergischen Berufsekzeme gibt es theoretisch Tausende von beruflichen Ursachen, die in der berufsdermatologischen Fachliteratur beschrieben sind. Und es kommen ständig neue hinzu! Dennoch sind bestimmte Berufsgruppen deutlich mehr von Kontaktekzemen betroffen als andere, zudem gibt es unter den auslösenden Stoffen identifizierte Schwerpunkte.

Schmierstoffe

Berufsekzeme werden häufig in Zusammenhang mit Schmierstoffen festgestellt. In der Metallbearbeitung und in Werkstätten besteht täglich intensiver Kontakt zu Kühlschmiermitteln, Hydraulikölen und weiteren Arten mineralölhaltiger und synthetischer Schmierstoffe. Aufgrund der intensiven Kontakte können sich insbesondere irritative und in einem weiteren Schritt allergische Ekzeme entwickeln, die zum Ausscheiden aus dem Beruf führen können. Aufgrund der weit verbreiteten Verwendung von Schmiermitteln in Industrie und Gewerbe hat die Suva hierzu in Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden eine Hautschutzinitiative gestartet. Dabei wird die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen in den Betrieben sowie der Mitarbeitenden auf das Thema Hautschutz ausgerichtet, mit Informationen, die auf die Zielgruppen zugeschnitten sind (suva.ch/schmierstoffe).

Gefährdungen im Coiffeurgewerbe

Vergleichsweise viele Berufsekzeme werden auch im Coiffeurgewerbe registriert. Oft treten hier Hautprobleme schon in der Lehrzeit auf. Zunächst besteht in den meisten Fällen ein irritatives Handekzem, das durch häufige Feuchtarbeit, z.B. durch das Haarewaschen, verursacht wird. Später kann sich eine Kontaktallergie aufpfropfen, meistens mit Überempfindlichkeit auf Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln. Seltener findet man relevante Sensibilisierungen auf Konservierungsmittel oder Nickel. Nach wiederholtem Auftreten von Ekzemschüben und nachgewiesener Allergie auf unverzichtbare Berufsstoffe ist ein Berufswechsel meist unvermeidlich. Präventive Botschaften finden sich hierzu auf der Suva-Homepage (suva.ch/coiffure) oder auf der Website der Hautschutzkampagne (2haende.ch).

Epoxidharze

In der Schweiz kommen im beruflichen Umfeld häufig allergische Kontaktekzeme durch Epoxidharze vor. Diese Stoffe, die typischerweise aus zwei Komponenten bestehen, die bei Anwendung zusammengemischt werden müssen, werden in vielen Branchen verwendet. Grossflächig eingesetzt werden sie insbesondere beim Anfertigen von industriellen Böden. Ekzeme, die durch Epoxidharze verursacht werden, sind oft heftig und manifestieren sich typischerweise schon nach kurzer Exposition. Bei Rezidiven sind nicht selten auch unbedeckte Körperstellen betroffen, z.B. Oberarme, Hals und Gesicht. Meistens ist die Prognose günstig, wenn die Exposition strikt vermieden wird, was in vielen Fällen aber einen Wechsel der Tätigkeit bedeutet. Auch für diese Thematik gibt es gezielte Informationen bei der Suva (suva.ch/epoxidharz).

Reinigungsmittel

Hygienemassnahmen mit sehr häufigem Händewaschen, oft kombiniert mit Hautdesinfektion, und häufiger Hautkontakt zu Reinigungsmitteln kommen in verschiedenen Branchen vor. Von irritativen Handekzemen sind deshalb häufig auch Personen betroffen, die im Spital und in der Krankenpflege, in der Nahrungsmittelproduktion, in der Gastronomie sowie in Reinigungsdiensten arbeiten. Auch hier ist eine gute Instruktion im Hautschutz als Ergänzung zu den wichtigen Hygienemassnahmen erforderlich.

Sonnenlicht

Bei bestimmten Tätigkeiten wie beispielsweise im Gartenbau, auf dem Bau oder in der Landwirtschaft ist eine häufige Exposition im Sonnenlicht nicht zu vermeiden. Der Verhütung von Hautkrebs durch das Ultraviolett im Sonnenlicht widmet die Suva eine Informationskampagne. Unter suva.ch/sonne finden sich Hinweise zur Prävention von hellem Hautkrebs und zum Hautkrebs als Berufskrankheit.

Vorgehen bei einer beruflichen Hautkrankheit

Wenn ein begründeter Verdacht auf eine berufliche Hautkrankheit besteht, sollte die betroffene Person aufgefordert werden, dies via Arbeitgebenden bei der zuständigen Unfallversicherung zu melden. Berufskrankheiten bei Arbeitnehmenden werden in der Schweiz wie Berufsunfälle und Nichtberufsunfälle über die Unfallversicherung gemäss Unfallversicherungsgesetz abgewickelt. Für die Meldung sind Unternehmen und Betroffene verantwortlich.

Die Suva ist als grösste Unfallversicherung vor allem für die Versicherung von Industrie, Baugewerbe, Forst-, Transport- sowie Bundesbetrieben zuständig. Bei den meisten Dienstleistungsbetrieben sind andere Unfallversicherungen zuständig. Beschäftigte im Coiffeurgewerbe, in (kleinen) Bäckereien, in Spitälern, in der Gastronomie und Landwirtschaft sind daher in der Regel nicht bei der Suva versichert. Alle Versicherer richten sich nach den Vorgaben des Unfallversicherungsgesetzes (UVG).

Die Unfallversicherung klärt den Sachverhalt durch speziell geschulte Sachbearbeiter und Aussendienstmitarbeitende ab, oft auch unter Beizug von Arbeitsmedizinern oder Arbeitshygienikern und nimmt dazu Stellung, ob eine Berufskrankheit vorliegt.

Im Unterschied zu den übrigen Versicherern ist die Suva für die arbeitsmedizinische Vorsorge und damit auch für die Eignungsbeurteilung von Arbeitnehmenden zuständig. Besteht bei einer Berufskrankheit eine erhebliche Gefährdung für die weitere Tätigkeit, so ist durch die Abteilung Arbeitsmedizin der Suva die weitere Eignung zu prüfen. Dies betrifft auch Fälle der anderen Unfallversicherer.

Eine Nichteignungsverfügung oder bedingte Eignungsverfügung für bestimmte Tätigkeiten ist eine Massnahme, die je nach Situation verbesserte Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz, eine interne Versetzung oder einen Arbeitsplatzwechsel erfordern kann. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Nichteignungsverfügung somit auch zu Eingliederungsmassnahmen und bei erheblicher Erwerbseinbusse zu Übergangsleistungen führen. Zur Prüfung einer Umschulung ist die versicherte Person jedoch bei der IV anzumelden.

Empfehlungen zum Hautschutz

Bei Kontakt zu typischen Allergenen und bei allen Tätigkeiten, die als Ursachen für irritative/toxische Kontaktdermatitiden genannt wurden, sollten zweckmässige Hautschutzmassnahmen am Arbeitsplatz geprüft, gegebenenfalls veranlasst werden. In Ergänzung zu technischen und organisatorischen Massnahmen haben Arbeitgeber auch zweckmässige Hautschutzmittel und Schutzhandschuhe zur Verfügung zu stellen. Bei Versicherten, die von beruflichen Handekzemen betroffen sind, ist meist zusätzlich eine individuelle ärztliche Beratung betreffend Hautschutzmittel nötig.

Generelle Empfehlungen zu Hautgefährdung und -schutz finden sich auf den Websites suva.ch/hautschutz und auch 2haende.ch. Nebst allgemeinen Hinweisen zum Hautschutz wird auf 2haende.ch über geeignete Schutzhandschuhe für zahlreiche Tätigkeiten informiert. Ein grosses Angebot an Hautschutzmitteln und Schutzhandschuhen bietet der virtuelle Fachmarkt sapros.ch.

In sehr vielen Betrieben sind Hautschutzmassnahmen eingeführt und geschult worden. Damit Schulungen im beruflichen Alltag verankert bleiben, müssen sie von Zeit zu Zeit wiederholt werden.

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