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Homeoffice: Back to normal?

Montag, 19. Juli 2021 - Ruedi Stirnimann
Die Homeoffice-Pflicht während der Corona-Pandemie hat die Entwicklung zu einer neuen Arbeitskultur - dem New Work - beschleunigt. Unternehmen stehen jetzt an der Schwelle zur Neugestaltung.

Seit gut eineinhalb Jahren können, dürfen, müssen ca. 50% der Beschäftigten von zu Hause aus im Homeoffice arbeiten. Wahrscheinlich hat kein anderes Wort die vergangene Zeit so geprägt wie dieses. Das zeigen zumindest die Suchanfragen im Internet, die sich seit Beginn der Corona-Pandemie verdoppelt haben. Jeweils gespannt auf die nächste Medienkonferenz des Bundesrats erwartet man die neu umzusetzenden Massnahmen bezüglich Homeoffice.

Aus der Homeoffice-Pflicht wurde inzwischen eine Homeoffice-Empfehlung, und auch diese wird voraussichtlich demnächst aufgehoben. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Mitarbeitenden künftig überhaupt ins Büro zurückkehren wollen. Unzählige Studien wurden im letzten Jahr dazu publiziert; sie kommen unisono zu dem Schluss, dass sich die Arbeitswelt nach der Pandemie verändert haben und dem New Work einige Schritte näher gekommen sein wird.

Artikelempfehlung zum Thema: Prof. Heike Bruch über New Work und Homeoffice

Die Erfordernisse der Corona-Pandemie haben so mancher theoretischen Diskussion ein Ende gemacht und Fakten geschaffen. Heute wollen Mitarbeitende nicht mehr auf ihre neu gewonnene Freiheit im Homeoffice verzichten. Firmen, die auch in Zukunft auf 100% Anwesenheit beharren, dürften auf Widerstand stossen. Es wurden bereits Stimmen nach einem Recht auf Homeoffice bzw. Remote Work laut.

Gezwungenermassen haben sich die Beschäftigten inzwischen in diesem Arrangement eingerichtet und gelernt, mit dem neuen WWW (Arbeit zwischen Windeln, Waschküche und Wohnzimmer) umzugehen. Voraussetzung dafür ist ein gutes Selbstmanagement.

Artikelempfehlung zum Thema Selbstmanagement

Ich wage die Prognose, dass in Zukunft die Arbeit wahrscheinlich häufiger im Homeoffice erfolgen wird, die Arbeit am Geschäftssitz jedoch nicht ausgedient haben wird. Vermutlich wird sich ein Hybrid zwischen Arbeit am Geschäftssitz und Homeoffice durchsetzen.

Gemeinschaft ist ein menschliches Grundbedürfnis

Mitarbeitende benötigen einen direkten Kontakt. Nur so kann implizites Wissen ausgetauscht werden. Sitzungen sowie der informelle und soziale Austausch funktionieren virtuell zwar gut, sind in Präsenzsituationen für viele Menschen jedoch angenehmer. Zudem vermittelt Austausch im Arbeitsumfeld soziale Normen und ist somit ein wichtiger Grundstein für eine identitätsstiftende Unternehmenskultur. Dauernde Abwesenheit vom Arbeitsplatz kann zu Koordinationsproblemen, zu Demotivation der Mitarbeitenden und zu einer abnehmenden Beziehungsqualität führen. Auch beschweren sich Mitarbeitende über ein zunehmendes Isolationsgefühl und über eine Verschlechterung der physischen und psychischen Gesundheit. Menschen sind soziale Wesen, denen die physische Präsenz anderer und das reale Gemeinschaftserleben gut tut.

Artikelempfehlung über die wichtige Rolle des Arbeitsplatzes für die psychische Gesundheit

Auch Vorgesetzte und Führungskräfte wurden mehr gefordert. So manche Führungskraft beklagte zu Beginn der Pandemie einen möglichen Kontrollverlust über die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeitenden. Vielerorts wurde allerdings keine generelle Reduktion der Produktivität festgestellt, sondern ganz im Gegenteil. Kontrolle als Führungsinstrument sollte spätestens jetzt ausgedient haben. In der Führung sind mehr Ergebnisorientierung und menschenorientierte Kommunikation für mehr Vertrauen und Zusammenhalt gefordert.

Artikelempfehlung zum Thema der Tragfähigkeit des Arbeitsmodells Work from Home

Ein Mitarbeiterevent als Startschuss für die Rückkehr in die Präsenzarbeit ist sicherlich eine gute Idee - unter Einhaltung aller gebotenen Schutzmassnahmen. Mitarbeitende haben sich teilweise über ein Jahr nicht mehr gesehen. Neue Mitarbeitende, die im letzten Jahr angefangen haben, hat einen Teil der Belegschaft noch nie persönlich getroffen. Es empfiehlt sich, für das Arbeiten im Homeoffice klare Regelungen zu treffen. Dies bedeutet nicht, dass auf Büropräsenz zu pochen. Das wäre kein zeitgemässer Ansatz. Vielmehr sollten sich Unternehmen fragen, wie man die Zusammenarbeit unter den neuen Bedingungen fördern kann. Es könnten gemeinsame Kernarbeitszeiten und -tage definiert werden, an denen beispielsweise alle Teammitglieder im Büro anwesend sind. Man sollte reflektieren, welche Aufgaben sich fürs Homeoffice eignen, welche weniger und was dies für die Häufigkeit von Homeoffice bedeuten kann. Ob jemand gerne im Büro arbeitet, hat sicher auch mit der Unternehmenskultur zu tun. Und damit ob seine Ideen und Beiträge gefragt sind und seine Arbeit entsprechend wertgeschätzt wird.

Artikelempfehlung zum Thema Unternehmenskultur, Zusammenarbeit und Arbeitsplatzgestaltung: Warum gehen wir ins Büro?

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